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Besetzung von Gran Torino

Es gibt Filme, bei denen man sich fragt, ob das Casting bewusst so gewählt wurde, um einen einzigen Darsteller wie eine Reliquie in einem ansonsten leeren Museum zu präsentieren. Gran Torino aus dem Jahr 2008, inszeniert von und mit Clint Eastwood, ist so ein Film. Das Drama über den verbitterten Korea-Veteranen Walt Kowalski, der sich in einer veränderten Nachbarschaft im Detroit der Gegenwart zurechtfinden muss, ist handwerklich solide – manchmal sogar bewegend. Aber wenn man ehrlich ist, und ich bin immer ehrlich, auch wenn es wehtut: Die Besetzung von Gran Torino ist eine Geschichte von einem Giganten und einer Reihe von Menschen, die man bestenfalls als „funktional” bezeichnen kann. Schauen wir uns das genauer an – ohne Beschönigungen, ohne Fanboy-Brille.

Die Besetzung auf einen Blick

Schauspieler Rolle Episoden / Jahr Bewertung (1–10) Kommentar
Clint Eastwood Walt Kowalski Film (2008) 9/10 Unnachahmlich – aber auch der einzige echte Profi im Raum
Bee Vang Thao Vang Lor Film (2008) 5/10 Hölzern, aber mit Momenten echter Glaubwürdigkeit
Ahney Her Sue Lor Film (2008) 6/10 Die überzeugendste unter den Nachwuchskräften
Christopher Carley Pater Janovich Film (2008) 6/10 Solide, ohne je zu überraschen
John Carroll Lynch Barber Martin Film (2008) 7/10 Unterschätzt, aber effektiv

Wenn ein Film auf einem einzigen Fundament steht

Man muss es klar sagen: Die Besetzung von Gran Torino ist eine strukturelle Schwäche, die der Film nur deshalb überlebt, weil Clint Eastwood in der Hauptrolle eine Präsenz mitbringt, die schlicht nicht zu ersetzen ist. Das Castingkonzept – einen überragenden Veteranen des Hollywoodkinos mit einer Reihe von Laiendarstellern und wenig erfahrenen Schauspielern zu umgeben – ist ein gewagtes Experiment. Manchmal funktioniert es als erzählerisches Mittel, weil Walts Isolation so spürbar wird. Häufig wirkt es aber schlicht wie ein Budgetentscheid.

Der Cast insgesamt ist nicht schlecht. Er ist nur… unfertig. Als hätte jemand einen Prototypen ins Kino gebracht und gesagt: „Das reicht schon.” Nick Schenk hat mit seinem Drehbuch eine Geschichte geschrieben, die mehr verdient hätte – nämlich Darsteller, die auf Augenhöhe mit ihrem Material operieren. Das ist nicht immer der Fall.

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Der Pate.

Eastwood als Kowalski: Legende oder Selbstplagiat?

Fangen wir beim Einzigen an, über den es wirklich etwas zu sagen gibt: Clint Eastwood als Walt Kowalski. Es ist eine Hauptrolle, die auf Anhieb wirkt wie das Destillat einer ganzen Karriere – der knurrige Außenseiter, der moralische Kompass in einer amoralischen Welt, der Mann mit dem durchdringenden Blick und den sparsamsten Dialogen, die je in einem Drama gesprochen wurden.

Ist es großartig? Ja. Ist es auch ein bisschen bequem? Ebenfalls ja. Man kann sich des Eindrucks nicht ganz erwehren, dass Eastwood als Regisseur und als Hauptdarsteller sich selbst ein Denkmal gesetzt hat – und das ausgerechnet in einem Film, der von der Unmöglichkeit spricht, sich neu zu erfinden. Die Ironie ist bitter genug, um sie zu genießen.

Trotzdem: In den stillen Momenten, wenn Kowalski auf seiner Veranda sitzt und den Nachbarsjungen beobachtet oder wenn er der einzige ehrliche Gesprächspartner seiner Enkelin ist – da ist Eastwood nicht zu toppen. Er braucht keine großen Gesten. Er braucht nur seinen Körper und seine Augen.

Bewertung: 9/10 – Wäre es jemand anderes, würde man sagen: perfekte Leistung. Bei Eastwood fragt man sich nur: Hat er sich dabei überhaupt angestrengt?

Das Nachwuchsproblem: Bee Vang, Ahney Her und der Rest

Hier wird es heikel. Bee Vang als Thao Vang Lor ist die zentrale Gegenfigur zu Kowalski – der junge Hmong-Mann, der zwischen Gangsterleben und Anstand hin- und hergerissen wird. Und Vang… nun ja. Er ist kein schlechter Mensch. Aber er ist ein hörbarer Laiendarsteller in einem Film, der Nuance verlangt. Seine Reaktionen kommen manchmal eine Sekunde zu spät, seine emotionalen Ausbrüche wirken einstudiert statt erlebt.

Das ist keine Katastrophe. Es ist aber auch kein Lob.

Ahney Her

Ahney Her als Sue Lor ist die positive Ausnahme unter den Nachwuchskräften. Sie hat eine natürliche Schlagfertigkeit, die in den Dialogen mit Eastwood überraschend gut funktioniert. Ihre Szenen gehören zu den lebendigsten des Films – was auch daran liegt, dass Her tatsächlich zuhört, anstatt nur auf ihren nächsten Satz zu warten.

Christopher Carley

Christopher Carley als der junge Pater Janovich liefert solide Theaterarbeit ab – sauber, kompetent, ohne jeden Funken Originalität. Seine Figur ist ohnehin eine dramaturgische Funktion mehr als eine echte Person, und Carley füllt diese Funktion aus, ohne aus ihr herauszutreten.

John Carroll Lynch

John Carroll Lynch als Friseur Martin verdient eine kurze Erwähnung, nicht wegen der Screentime, sondern wegen der Art, wie er sie nutzt: mit trockenem Humor und einer Glaubwürdigkeit, die den meisten anderen Darstellern im Film fehlt.

Mehr zur Besetzung eines anderen amerikanischen Klassikers finden Sie im Artikel über die Besetzung von The Wild Bunch.

Typecasting, Wiederholung und das Eastwood-Prinzip

Man kann die Filmografie von Clint Eastwood nicht diskutieren, ohne das offensichtliche Problem zu benennen: Er spielt immer denselben Mann. Von „Dirty Harry” über „Unforgiven” bis zu Gran Torino – der knurrige, moralisch überlegene Einzelgänger ist sein Markenzeichen. Das ist handwerklich beeindruckend. Künstlerisch ist es irgendwann eine Komfortzone.

Die restlichen Darsteller haben dagegen das umgekehrte Problem: keine erkennbare Linie, kein wiederkehrendes Profil, keine filmische Identität, die sich einprägt. Bee Vang hat nach Gran Torino kaum noch Spuren hinterlassen. Ahney Her ebenso. Das ist bedauerlich – nicht weil sie talentlos wären, sondern weil der Film sie nie wirklich in ihre eigene Richtung entwickeln lässt. Sie existieren im Schatten Kowalskis. Und im Schatten Eastwoods.

Ensemble und Kino: Wenn das Ganze weniger ist als seine Teile

Als Cast betrachtet hinterlässt die Besetzung von Gran Torino ein gespaltenes Bild. Die Chemie zwischen Eastwood und seinen jüngeren Partnern funktioniert besser als erwartet – aber das verdankt sich fast ausschließlich Eastwoods Fähigkeit, auch aus schwachem Material eine Szene zu tragen. Die Hmong-Gemeinschaft wird authentisch besetzt und gibt dem Film eine kulturelle Glaubwürdigkeit, die ohne diese Entscheidung gefehlt hätte. Das ist eine echte Produktionsentscheidung, die funktioniert.

Aber insgesamt: Das Ensemble ist unausgeglichen. Es gibt zu viele Momente, in denen man merkt, dass Eastwood der einzige im Raum ist, der wirklich weiß, was er tut. Die übrigen Schauspieler schwimmen – manchmal elegant, manchmal nicht.

Das Ergebnis ist ein Film, der durch Eastwoods Schultern getragen wird und diese Tatsache nicht immer versteckt. Als Drama funktioniert Gran Torino. Als Ensemblefilm nicht.

Was das über die Filmindustrie von 2008 sagt

Gran Torino ist ein Produkt seiner Zeit – und zwar in einem wenig schmeichelhaften Sinn. Warner Bros. und die Produktion haben offenbar darauf gesetzt, dass Eastwoods Name allein das Kino füllt. Was er auch tat. Kritisch hinterfragen sollte man trotzdem, warum ein Drama dieser Größenordnung nicht den Aufwand betrieben hat, ein vollwertiges Ensemble zusammenzustellen.

Es ist das ewige Muster: Ein großer Name, ein mittelmäßiges Umfeld. Funktioniert bei der Kasse. Funktioniert weniger beim wiederholten Schauen. Die Filmkritik hat das 2008 weitgehend ignoriert – weil Eastwood nun mal Eastwood ist. Aber die Filmkritik hat eine Verantwortung, die über Nostalgie hinausgeht. Und wenn man Gran Torino heute anschaut, sieht man einen Film, der durch ein besseres Casting noch stärker hätte sein können.

Die Synchronisation für den deutschen Markt ist im Übrigen solide – Eastwoods Figur klingt auf Deutsch fast so knurrig wie im Original, was kein kleines Kunststück ist. Die Synchronsprecher haben ganze Arbeit geleistet. Die DVD und Blu-ray bieten zudem anständiges Bonusmaterial für alle, die tiefer einsteigen wollen.

Einen ähnlich kritischen Blick auf die Besetzung eines weiteren kultigen amerikanischen Films finden Sie im Artikel über die Besetzung von The Big Lebowski.

Häufig gestellte Fragen

Wer spielt die Hauptrolle in Gran Torino?

Clint Eastwood spielt Walt Kowalski, den verbitterten Korea-Veteranen. Er ist auch gleichzeitig Regisseur und Produzent des Films.

Wer spielt Thao in Gran Torino?

Bee Vang spielt Thao Vang Lor, den jungen Hmong-Nachbarn, der in Kowalskis Leben tritt. Seine Leistung ist ungleichmäßig, aber nicht ohne Momente.

Wer ist Sue in Gran Torino?

Ahney Her spielt Sue Lor, Thaos selbstbewusste Schwester. Sie ist die überzeugendste unter den Nachwuchsdarstellern im Film.

Wer spielt den Priester in Gran Torino?

Christopher Carley spielt Pater Janovich, den jungen Geistlichen, der versucht, eine Verbindung zu Kowalski herzustellen. Solide, aber vorhersehbar.

Lohnt sich Gran Torino trotz des ungleichen Casts?

Ja – aber primär wegen Eastwood. Wer nur wegen des Ensembles kommt, wird enttäuscht. Wer einen Film sucht, der von einer einzigen überragenden Leistung getragen wird, findet hier genau das.

Ist die Besetzung von Gran Torino ein Castingfehler oder eine bewusste Entscheidung?

Wahrscheinlich beides. Die Laiendarsteller aus der Hmong-Gemeinschaft geben dem Film Authentizität. Aber dass ein Film dieser Größenordnung so abhängig von einem einzigen Darsteller ist, bleibt eine strukturelle Schwäche – egal wie gut dieser Darsteller auch ist.

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