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Besetzung von Der Pate

Es gibt Filme, über die man nicht mehr viel sagen muss – und trotzdem redet alle Welt noch immer darüber. Der Pate aus dem Jahr 1972, inszeniert von Regisseur Francis Ford Coppola nach dem Drehbuch von Mario Puzo, gilt als einer der größten Gangsterfilme aller Zeiten. Paramount Pictures, die Corleone-Familie, Mafia, Blut und Macht – das Rezept ist bekannt. Aber wie gut ist die Besetzung von Der Pate wirklich, wenn man sie nicht durch die rosarote Nostalgiebrille betrachtet? Eine genauere Untersuchung fördert eine Antwort zutage, die gemischter ist als die Lobgesänge es vermuten lassen.

Die Besetzung von Der Pate – viel Durchschnitt, wenig Glanz

Man muss fair sein: Die Besetzung von Der Pate ist nicht schlecht. Aber sie ist auch nicht das überirdische Schauspielwunder, das die Filmgeschichtsschreibung uns seit Jahrzehnten verkauft. Was wir hier haben, ist ein Cast, der in weiten Teilen solide Arbeit leistet – und der von ein, zwei wirklich herausragenden Leistungen getragen wird, während der Rest der Schauspieler pflichtbewusst seine Rolle ausfüllt, ohne dabei sonderlich zu überraschen.

Francis Ford Coppola hatte bekanntlich Kämpfe mit dem Studio um die Casting-Entscheidungen. Marlon Brando war Paramounts erster Wahl nicht unbedingt, und Al Pacino galt als riskanter Newcomer. Das ist interessant – denn am Ende sind es genau diese beiden, die den Film überhaupt erst sehenswert machen. Den Rest des Casts hätte man, mit Verlaub, auch anderweitig besetzen können, ohne dass der Film wesentlich schlechter geworden wäre.

Was bei der Besetzung von Der Pate stets leicht irritiert: die Tendenz zum Typecasting bereits in dieser frühen Phase. James Caan als grober Haudegen, Robert Duvall als treuer Verwalter, Diane Keaton als naive Freundin – das sind keine besonders originellen Charakterentscheidungen. Man bedient Klischees und nennt es Charakter. Das Drehbuch von Mario Puzo trägt dazu bei, aber die Darsteller hätten mehr daraus machen können.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
Marlon Brando Vito Corleone 9/10 Ikonisch, aber manchmal mehr Maske als Mensch
Al Pacino Michael Corleone 8/10 Langsam startend, dann überzeugend – die Entwicklung trägt
James Caan Sonny Corleone 6/10 Laut, direkt, vorhersehbar – typisches Typecasting
Robert Duvall Tom Hagen 7/10 Unterschätzt, aber auch etwas blass
Diane Keaton Kay Adams 5/10 Funktioniert als Staffage, nicht als echte Figur
Talia Shire Connie Corleone 5/10 Wenig Raum, wenig Ausdruck
John Cazale Fredo Corleone 6/10 Bemerkenswert traurig – aber auch kaum gefordert
Richard Castellano Peter Clemenza 6/10 Solide Nebenrolle, austauschbar
Abe Vigoda Sal Tessio 6/10 Mehr Atmosphäre als Leistung
Sterling Hayden Captain McCluskey 6/10 Überzeugend böse, aber eindimensional

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von The Big Lebowski – einem weiteren Klassiker, dessen Cast ähnlich kritisch betrachtet werden kann.

Die Hauptdarsteller im kritischen Blick

Marlon Brando als Vito Corleone

Sprechen wir über die unvermeidliche Legende. Marlon Brando gewann für seine Darstellung des Don Corleone einen Oscar – und weigerte sich bekanntlich, ihn anzunehmen. Schon diese Geste hat mehr Aufmerksamkeit bekommen als manche Schauspielerleistung im Film selbst.

Brandos Darstellung des alternden Mafia-Patriarchen ist zweifellos beeindruckend. Die gedämpfte Stimme, die langsamen Bewegungen, der Blick, der gleichzeitig Müdigkeit und Drohung ausdrückt – das ist Handwerk auf höchstem Niveau. Und doch: Wenn man ehrlich ist, lebt die Figur des Vito Corleone zu einem guten Teil von Brandos äußeren Mitteln. Die gestopften Wangen, die gebeugte Haltung – es ist oft mehr Kostüm als Tiefe. Brando weiß, wie er wirken muss, und er liefert es präzise. Aber ob das wirklich die Seele einer Figur trägt oder nur einen eindrucksvollen Eindruck hinterlässt – das ist eine andere Frage.

Als Don Corleone im Garten mit seinem Enkel spielt und dann stirbt, berührt es. Aber ob man die Figur wirklich kennt oder nur ihre Oberfläche – das bleibt fraglich.

Bewertung: 9/10

Al Pacino als Michael Corleone

Al Pacino ist in den ersten zwanzig Minuten des Films schlicht uninteressant. Das mag gewollt sein – Michael soll ja zunächst der Außenseiter der Corleone-Familie sein, der Kriegsheld, der mit der Mafia nichts zu tun haben will. Aber Pacino löst das mit einer Zurückhaltung, die manchmal an Abwesenheit grenzt.

Dann passiert die Wandlung. Und hier beginnt Pacinos eigentliche Arbeit als Schauspieler. Die Art, wie Michael Corleone langsam in die Finsternis gleitet, wie aus dem Zögernden ein Kalter wird – das ist gut beobachtet und gut gespielt. Pacino trägt diese Entwicklung ohne zu übertreiben. Jedenfalls meistens. Es gibt Momente, besonders gegen Ende, wo man merkt, dass da jemand beginnt, sich seiner eigenen Wirkung bewusst zu werden – ein Tic, der Pacino in späteren Jahren manchmal ins Overacting treibt.

Als Michael trägt Pacino den Film. Als Rolle ist Michael der interessanteste Charakter. Das passt gut zusammen – und das ist nicht selbstverständlich.

Bewertung: 8/10

James Caan als Sonny Corleone

James Caan spielt Sonny Corleone so, wie man Sonny Corleone eben spielt: laut, impulsiv, ein bisschen zu viel. Caan ist ein verlässlicher Schauspieler, der weiß, was er kann – und was er kann, ist dieser Typ. Der hitzköpfige Macher, der schnelle Entscheider, der Mann, der mit den Fäusten denkt. Das ist keine Kritik an Caan persönlich, eher eine Feststellung, dass die Rolle wenig verlangt und Caan wenig mehr liefert.

Die Szene am Mautstellenhäuschen, in der Sonny erschossen wird, ist effektiv – aber mehr wegen der Inszenierung als wegen Caans Schauspiel. Sonny Corleone bleibt eine Funktion der Geschichte, kein wirklich greifbarer Mensch.

Bewertung: 6/10

Robert Duvall als Tom Hagen

Robert Duvall ist, ehrlich gesagt, der heimliche Gewinner unter den Hauptdarstellern. Tom Hagen, der Consigliere der Familie, ist eine schwierige Rolle: Er muss loyal, intelligent und gleichzeitig irgendwie unsichtbar wirken. Duvall schafft das mit bemerkenswert wenig Aufwand. Er ist nie der Lauteste im Raum – und genau deshalb fällt er auf.

Dass Duvall oft übersehen wird, wenn über die Besetzung von Der Pate gesprochen wird, sagt mehr über unser Verhältnis zum lauten Schauspiel aus als über seine Qualität.

Bewertung: 7/10

Diane Keaton als Kay Adams

Und dann ist da Diane Keaton. Kay Adams ist, wie es höflich zu formulieren gilt, eine schlecht geschriebene Rolle. Sie ist weniger Charakter als Requisite. Das naive Mädchen von außerhalb, das nicht versteht, in welche Familie sie hineingeheiratet hat – es ist ein Klischee, das das Drehbuch von Mario Puzo mit einiger Sorglosigkeit bedient.

Keaton tut, was man von ihr verlangt: Sie wirkt naiv, verwirrt, verliebt. Das macht sie ordentlich. Aber die Figur der Kay Adams gibt ihr kaum Raum, wirklich zu spielen. Keaton ist besser als ihre Rolle – und das ist kein Kompliment an die Produktion.

Bewertung: 5/10

Einen ähnlichen Blick auf Ensembles klassischer Filme bietet der Artikel über die Besetzung von The Breakfast Club.

Nebenrollen – solide Arbeit oder reine Füllmasse?

Die Nebenrollen der Besetzung von Der Pate sind, gelinde gesagt, unterschiedlich. Es gibt einige, die im Gedächtnis bleiben, und andere, die man vergessen hat, bevor man das Kino verlässt.

Talia Shire als Connie Corleone hat wenig Spielraum. Ihre Figur ist im Wesentlichen das leidende weibliche Element der Geschichte – sie wird geschlagen, gedemütigt, und am Ende steht sie als Opfer da. Shire macht das handwerklich solide, aber die Figur selbst ist erschreckend dünn. Erst in den späteren Teilen der Trilogie – insbesondere in Der Pate – Teil II – bekommt sie etwas mehr Substanz.

John Cazale als Fredo Corleone ist bemerkenswert. Nicht weil die Rolle viel verlangt, sondern weil Cazale aus wenig so viel macht. Fredo ist der schwache Bruder, der Überforderte, der Versager – und Cazale spielt diese Schwäche mit einer leisen Würde, die berührt. Schade, dass die Figur in diesem ersten Teil kaum gefordert wird.

Abe Vigoda als Sal Tessio ist eine dieser Rollen, die hauptsächlich durch Atmosphäre funktionieren. Vigoda schaut finster drein, er sagt seine Zeilen, und er fügt sich gut in das Ensemble ein. Mehr ist nicht zu sagen. Sterling Hayden als korrupter Polizist Captain McCluskey ist eindimensional böse – das verlangt die Szene, das liefert Hayden.

Richard Castellano als Peter Clemenza sorgt für die wenigen humorvollen Momente des Films – „Leave the gun. Take the cannoli” ist längst Kinomythos. Ob das an Castellanos Spiel oder an Puzos Drehbuch liegt, sei dahingestellt.

Insgesamt gilt für die Nebenrollen der Besetzung von Der Pate: solide Handwerksarbeit, gelegentliche Überraschungen, wenig echte Glanzpunkte.

Filmografie – und immer wieder das Gleiche?

Es lohnt sich, kurz auf die Filmografien der Hauptdarsteller zu schauen – denn hier zeigt sich ein Muster, das schon immer leicht irritiert hat.

Marlon Brando

  • Straßenbahnlinie Désirée
  • Der Wilde
  • Der Pate (1972) – Die Rolle des Don Corleone wurde zu einem Schatten, der Brando begleitete, ob er wollte oder nicht.

Al Pacino

  • Der Pate (1972)
  • Scarface
  • Heat

Pacino hat nach Der Pate eine bemerkenswerte Karriere hingelegt – und dabei immer wieder denselben Typ gespielt: den Mann, der langsam die Kontrolle verliert. Man liebt Pacino, aber überraschend ist er selten.

James Caan

  • Der Pate (1972)

Caan wurde nach Sonny Corleone zum ewigen Rauen-Mann-Typ des amerikanischen Kinos. Sein späteres Werk bestätigt das Typecasting, das in Der Pate begann.

Diane Keaton

  • Der Pate (1972)

Keaton entwickelte sich nach Der Pate zu einer der interessanteren Schauspielerinnen ihrer Generation – Woody Allens Muse, komödiantisches Talent. Was zeigt: Die Rolle der Kay Adams hat ihr eher geschadet als genutzt.

Robert Duvall

  • Der Pate (1972)

Duvall blieb das, was er in Der Pate war: verlässlich, unterschätzt, immer gut. Auch das ist, wenn man so will, eine Form von Typecasting – wenn auch eine angenehmere.

Weitere Einblicke in Filmbesetzungen aus dem Crime- und Action-Genre finden Sie im Artikel über die Besetzung von Kingsman.

Funktioniert die Besetzung wirklich? Eine ehrliche Einschätzung

Ja – aber nicht aus den Gründen, die man gemeinhin anführt.

Die Besetzung von Der Pate funktioniert, weil Marlon Brando und Al Pacino den Film tragen, während der Rest des Casts eine solide, wenn auch wenig aufregende Hintergrundarbeit leistet. Die Chemie zwischen den Darstellern wirkt glaubwürdig – die Corleone-Familie fühlt sich wie eine Familie an, was keine Selbstverständlichkeit ist. Francis Ford Coppola hat sicherlich an der Gruppenchemie gearbeitet, und das zahlt sich aus.

Was stört: Man hat das Gefühl, dass einige Figuren nur existieren, um Handlungsfunktionen zu erfüllen. Kay Adams ist die naive Außenstehende. Connie ist die leidende Schwester. Fredo ist der schwache Bruder. Das sind keine Charaktere, das sind Schablonen. Und das Cast kann daran nur begrenzt etwas ändern, wenn das Drehbuch es nicht vorsieht.

Die Kameraarbeit von Gordon Willis – düster, schattig, fast klaustrophobisch – und die Filmmusik von Nino Rota tragen mehr zur Atmosphäre bei als mancher Darsteller. Das sollte man ruhig einmal laut sagen.

Trotzdem: Als Ensemble funktioniert die Besetzung von Der Pate gut genug, um den Film zu tragen. Mehr als gut genug. Aber das Meisterwerk-Label hat den kritischen Blick auf die Einzelleistungen über Jahrzehnte vernebelt.

Warum mittelmäßiges Schauspiel heute oft ausreicht

Der Pate stammt aus einer Zeit, in der Kino noch ein Ereignis war. Heute – im Zeitalter von Streaming-Plattformen, Netflix-Produktionen und Apple TV+ – sind die Maßstäbe anders. Nicht unbedingt schlechter, aber anders.

Was an der heutigen Schauspiellandschaft besorgt: Bekannte Gesichter ersetzen echte Leistung. Wenn ein Name auf dem Poster steht, wird das Publikum schon kommen. Der Anreiz, wirklich zu überraschen, ist geringer geworden. Bei der Besetzung von Der Pate gab es noch den Druck, im Kino – vor echtem Publikum – zu bestehen. Heute kann man sich auf Algorithmen verlassen.

Außerdem: Typecasting ist im Streaming-Zeitalter geradezu industrialisiert worden. Man nimmt, wen man kennt, für das, was man von ihm erwartet. Das ist effizient. Aber es ist auch kulturell arm.

Der Pate hatte mit Brando und Pacino zwei Darsteller, die das System sprengten – zumindest teilweise. Das ist heute seltener. Nicht unmöglich, aber seltener. Und das ist ein Verlust, über den man ruhig nachdenken sollte.

Häufig gestellte Fragen

Wer spielt in Der Pate die Hauptrolle?

Die Hauptrollen in der Besetzung von Der Pate werden von Marlon Brando als Vito Corleone und Al Pacino als Michael Corleone übernommen. Diese beiden tragen den Film auf ihren Schultern – der Rest des Casts ist Ergänzung, nicht Träger.

Wer ist der beste Schauspieler in Der Pate?

Auf dem Papier: Marlon Brando, der für die Rolle einen Oscar gewann. In der Praxis: Robert Duvall als Tom Hagen ist die unterschätzteste Leistung der Besetzung von Der Pate – präzise, zurückhaltend, glaubwürdig.

Welche Schauspieler spielen auch in Der Pate – Teil II mit?

Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire und John Cazale kehren in Der Pate – Teil II zurück. Robert De Niro spielt dort den jungen Vito Corleone – und liefert eine der wenigen Leistungen der Trilogie, die wirklich überrascht.

Ist die Besetzung von Der Pate wirklich so gut wie ihr Ruf?

Nein – und ja. Brando und Pacino sind außergewöhnlich. Der Rest ist solides Hollywood-Handwerk. Der Film ist besser als sein Cast, weil Regie, Filmmusik von Nino Rota und Kamera von Gordon Willis das Gesamtbild heben.

Lohnt es sich, Der Pate heute noch zu sehen?

Ja. Nicht wegen jeder einzelnen Schauspielerleistung, sondern wegen der Gesamtwirkung. Der Pate ist ein Filmklassiker mit echtem Kultstatus – auch wenn man manches daran nüchterner betrachten darf, als es die Filmgeschichtsschreibung erlaubt.

Hätte man die Besetzung von Der Pate besser wählen können?

Wahrscheinlich nicht wesentlich besser – aber anders. Es gibt keine objektiv richtige Besetzung. Was man sagen kann: Die Entscheidung für Brando war mutig und richtig. Die Entscheidung für Pacino auch. Der Rest war Konvention.

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