Sofia Coppolas Debütfilm The Virgin Suicides aus dem Jahr 1999 basiert auf Jeffrey Eugenides’ gleichnamigem Roman und spielt im Detroit der 1970er Jahre. Fünf Töchter einer überprotektiven Vorstadtfamilie – die Lisbon-Schwestern – leben unter dem eisernen Diktat ihrer Eltern, bis das Drama seinen unausweichlichen Lauf nimmt. Der Film ist ein stilles, fast traumwandlerisches Werk über Jugend, Tod und Selbstmord in der amerikanischen Vorstadt. Und dann ist da natürlich die Frage, die jeden ehrlichen Kritiker beschäftigt: Trägt die Besetzung von The Virgin Suicides dieses fragile Konstrukt überhaupt? Die Antwort ist – wie so oft – komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein.
Wer steckt eigentlich hinter den Lisbon-Mädchen?
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Kirsten Dunst | Lux Lisbon | Film (1999) | 8 | Überzeugend, magnetisch, trägt den Film |
| Josh Hartnett | Trip Fontaine | Film (1999) | 6 | Schön anzusehen, selten tiefer als die Oberfläche |
| James Woods | Mr. Lisbon | Film (1999) | 7 | Unterschätzt, einer der wenigen echten Charakterdarsteller hier |
| Kathleen Turner | Mrs. Lisbon | Film (1999) | 7 | Eisige Präsenz, genau richtig dosiert |
| Scott Glenn | Dr. Horniker | Film (1999) | 6 | Solide, bleibt aber blass |
| Danny DeVito | Produzent / Nebenrolle | Film (1999) | 5 | Präsenz ohne wirkliche Wirkung |
| Michael Paré | Nebenrolle | Film (1999) | 5 | Kaum erwähnenswert |
Datengrundlage: de.wikipedia.org, imdb.com, filmstarts.de, synchronkartei.de
Wenn ein Film mehr ist als seine Darsteller – oder doch nicht?
Man muss Sofia Coppola zugute halten, dass sie beim Casting von The Virgin Suicides zumindest einen klaren ästhetischen Instinkt bewiesen hat. Das ist nicht selbstverständlich. Wer die moderne Filmlandschaft kennt, weiß, wie oft Casting-Entscheidungen von Streamingbudgets, Agenten-Deals und Franchise-Logik diktiert werden, statt von künstlerischer Intuition. Hier, im Jahr 1999, schien zumindest noch ein Hauch von echtem Handwerk im Spiel zu sein.
Und dennoch: Die Besetzung von The Virgin Suicides ist nicht frei von Schwächen. Man hat das Gefühl, dass der Film trotz seines Casts funktioniert – nicht wegen ihm. Das ist ein feiner, aber wichtiger Unterschied. Coppola nutzt ihre Darsteller wie Requisiten in einem träumerischen Gemälde über die verlorene Jugend amerikanischer Mädchen. Das kann als Regie-Entscheidung verteidigt werden. Es ändert aber nichts daran, dass mehrere Schauspieler unter ihren Möglichkeiten bleiben.
Die Produktion war mutig – ein Debüt einer Regisseurin, die den Roman von Jeffrey Eugenides in Bilder übersetzte, die oft schöner sind, als sie sein dürften. Drehbuch, Fotografie, Schnitt und Soundtrack verschmelzen zu einem kohärenten Kunststück. Nur das Ensemble bleibt manchmal seltsam unbeteiligt an seiner eigenen Geschichte.
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Kirsten Dunst trägt, Josh Hartnett stolpert
Kirsten Dunst als Lux Lisbon
Beginnen wir mit dem Offensichtlichen: Kirsten Dunst als Lux Lisbon ist die einzige Figur in der Besetzung von The Virgin Suicides, die wirklich unter die Haut geht. Sie war damals gerade einmal 17 Jahre alt und zeigte eine Reife, die man von einem Teenager schlicht nicht erwarten durfte. Ihr Lux ist verführerisch, verletzlich und irgendwie bereits gebrochen – und das alles ohne die plumpe Symbolik, die ein weniger begabter Darsteller aus dieser Rolle gemacht hätte.
Josh Hartnett als Trip Fontaine
Dann ist da Josh Hartnett als Trip Fontaine. Der Mann ist – wie immer – ein wandelndes Plakat. Schön. Präsent. Und erschreckend eindimensional. Hartnett spielt den Schulhelden mit der verlockenden Oberfläche, und mehr ist da ehrlich gesagt auch nicht. Man könnte argumentieren, das sei die Rolle. Man könnte auch argumentieren, dass ein besserer Schauspieler aus dieser Leere etwas gemacht hätte. Die Chemie zwischen Dunst und Hartnett funktioniert, weil Dunst die Last des Spiels alleine trägt.
Bewertung Hauptrollen: 7/10
James Woods und Kathleen Turner – Eltern als eisige Statisten
James Woods als Mr. Lisbon
Wenn die Nebenrollen irgendwo interessant werden, dann hier. James Woods als Mr. Lisbon – der hilflose, verschwindende Vater der fünf Mädchen – ist eine der stillen Überraschungen des Films. Woods hat in seiner Filmografie genug Rollen gespielt, die ihn zum Klischeebösewicht degradierten. Hier darf er etwas anderes: Schwäche darstellen. Und er tut es mit unerwarteter Würde.
Kathleen Turner als Mrs. Lisbon
Kathleen Turner als Mrs. Lisbon ist dagegen bewusst monströs. Sie ist das Gesicht religiöser Repression, suburban eingemauert in ihre eigenen Ängste. Turner versteht die Figur, und man merkt das. Kein unnötiges Overacting. Keine billigen Szenen. Nur die steinharte Kälte einer Mutter, die ihre Töchter liebt – und dabei zerstört.
Danny DeVito und Michael Paré bleiben dagegen so blass, dass man sich fragt, warum man ihnen überhaupt Screentime gegönnt hat. Hier wirkt das Casting wie eine Gefälligkeit, kein Kunstgriff.
Mehr über jugendliche Themen und Coming-of-Age-Narrative im Film finden Sie im Artikel über die Besetzung von The Babysitter.
Typecasting, Karrierebögen und was danach kam
Blickt man auf die Filmografien der Beteiligten, fällt eines auf: The Virgin Suicides war für viele dieser Schauspieler entweder ein Sprungbrett oder ein Ausreißer. Kirsten Dunst machte danach Karriere, nicht immer auf dem Niveau, das dieser Film versprach. Josh Hartnett verschwand langsam aus dem A-Liga-Kino – ein Schicksal, das angesichts seiner Oberflächlichkeit als Schauspieler kaum überrascht.
James Woods blieb typecast, Kathleen Turner wurde in späteren Jahren zunehmend auf Charakterrollen reduziert. Scott Glenn spielte weiter solide Nebenrollen, ohne dass man das Gefühl hätte, er habe je sein volles Potenzial ausschöpfen dürfen. Das ist das Schicksal vieler Darsteller, die in Ensembles wie diesem mitspielen: Man erinnert sich an den Film, nicht an sie.
The Virgin Suicides ist damit auch ein Lehrstück darüber, wie Regie und Atmosphäre ein Ensemble überstrahlen können – und wie wenig das manchen Karrieren am Ende nützte.
Das Gesamtbild: Stimmig, aber nicht vollständig überzeugend
Die Besetzung von The Virgin Suicides funktioniert als Gesamtensemble vor allem deshalb, weil der Film selbst eine bestimmte emotionale Distanz aufbaut. Coppola lässt ihre Figuren nicht zu nahe heranrücken. Die Lisbon-Schwestern – gespielt von mehreren jungen Schauspielerinnen, die größtenteils anonym blieben – sind bewusst ungreifbar. Das ist dramaturgisch klug, aber es lässt das Ensemble auch leicht ersetzbar wirken.
Die Chemie stimmt dort, wo sie stimmen muss: zwischen Dunst und der Kamera. Die Chemie zwischen den anderen Darstellern ist bestenfalls funktional, meistens jedoch klinisch distanziert. Das ist kein Vorwurf an die Schauspieler allein. Aber es erklärt, warum The Virgin Suicides mehr als stimmungsvolles Kunstobjekt denn als schauspielerisches Meisterwerk in Erinnerung bleibt.
Realismus? Bedingt. Die 1970er-Jahre-Vorstadt-USA wirkt durch Fotografie und Musik glaubwürdig. Die Menschen darin wirken manchmal wie Traumgestalten, die nie ganz greifbar werden.
Was Sofia Coppola uns über modernes Filmschaffen lehrt – und was die Industrie daraus nicht gelernt hat
Es lohnt sich, The Virgin Suicides im Kontext seiner Entstehungszeit zu betrachten. 1999 war kein Jahr der Streamingdienste, kein Jahr, in dem Besetzungsentscheidungen durch Algorithmen und Follower-Zahlen beeinflusst wurden. Coppola traf ihre Casting-Entscheidungen noch mit dem Ziel, einen bestimmten ästhetischen Effekt zu erzielen. Heute würde ein solcher Film sehr wahrscheinlich mit einem anderen Ensemble bestückt werden – einem, das besser für Plattform-Algorithmen und Social-Media-Kampagnen geeignet ist.
Das ist kein nostalgisches Lamento, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die Streaming-Industrie hat die Qualitätsanforderungen an Schauspieler nicht erhöht – sie hat sie verschoben. Bekannte Namen sind wichtiger als Talent. Präsenz auf Instagram wichtiger als Präsenz auf der Leinwand. The Virgin Suicides mit seiner damals noch relativ unbekannten Kirsten Dunst in der Hauptrolle wäre in der heutigen Produktionslogik möglicherweise gar nicht finanzierbar gewesen – oder man hätte auf einen Streaming-Star gesetzt, dessen Name in Pressemitteilungen besser klingt als sein Spiel.
Dass der Film trotz all seiner Besetzungsschwächen funktioniert, ist ein Verdienst der Regisseurin. Dass er nicht noch besser ist, liegt zumindest teilweise am Ensemble.
Einen interessanten Blick auf die Veränderungen im Filmvertrieb bietet auch der Artikel über warum immer mehr Kinofilme direkt auf Streamingplattformen erscheinen.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in The Virgin Suicides?
Kirsten Dunst spielt Lux Lisbon, die zentrale Figur unter den fünf Lisbon-Schwestern. Sie ist die mit Abstand überzeugendste Leistung im gesamten Cast.
Wer spielt die Eltern der Lisbon-Schwestern?
James Woods spielt Mr. Lisbon, den Vater. Kathleen Turner spielt Mrs. Lisbon, die dominante, repressive Mutter. Beide liefern solide bis gute Leistungen.
Ist Josh Hartnett gut in The Virgin Suicides?
Ehrlich gesagt: mittelprächtig. Er ist attraktiv und präsent, aber als Schauspieler bleibt er an der Oberfläche. Die Rolle Trip Fontaine verlangt nicht viel – und er gibt auch nicht mehr.
Wer hat Regie bei The Virgin Suicides geführt?
Sofia Coppola führte Regie und schrieb das Drehbuch – ihr Spielfilmdebüt, basierend auf dem Roman von Jeffrey Eugenides.
Lohnt sich The Virgin Suicides wegen der Schauspieler?
Der Film lohnt sich vor allem wegen Coppolas Regie, dem Soundtrack und der Atmosphäre. Die Besetzung ist ordentlich, aber nicht der eigentliche Grund, den Film zu sehen.
War The Virgin Suicides kommerziell erfolgreich?
Der Film war kein Blockbuster, wurde aber zu einem kritisch anerkannten Werk und gilt heute als Kultfilm – unabhängig davon, ob das Ensemble dafür verantwortlich ist oder nicht.



