Es gibt Filme, die man sich ansieht und danach sofort wieder vergisst. Und dann gibt es Filme, bei denen man sich fragt, warum man sich überhaupt die Mühe gemacht hat, sie anzusehen – nicht weil sie schlecht sind, sondern weil sie so unentschieden wirken. About a Boy (2002), basierend auf Nick Hornbys gleichnamigem Roman, fällt irgendwo dazwischen. Die Verfilmung der Brüder Chris Weitz und Paul Weitz erzählt von Will Freeman, einem selbstgefälligen, kinderlosen Londoner, der sich in einer Selbsthilfegruppe für alleinerziehende Mütter einschleicht – und dabei auf den seltsamen Jungen Marcus trifft. Das klingt nach einer soliden Komödie mit Herzwärme. Und ja, das Potenzial war da. Ob die Besetzung von About a Boy dieses Potenzial vollständig ausschöpft? Nun ja. Schauen wir mal genauer hin.
Wer steckt eigentlich hinter diesem Film?
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Hugh Grant | Will Freeman | Film (2002) | 7/10 | Charmant wie immer, aber auch routiniert wie immer |
| Nicholas Hoult | Marcus | Film (2002) | 8/10 | Der eigentliche Star des Films – überraschend nuanciert |
| Toni Collette | Fiona | Film (2002) | 8/10 | Die einzige, die echte emotionale Tiefe zeigt |
| Rachel Weisz | Rachel | Film (2002) | 6/10 | Attraktiv, aber die Rolle ist sträflich unterentwickelt |
| Minnie Driver | Suzie | Film (2002) | 6/10 | Funktioniert, hinterlässt aber keinen bleibenden Eindruck |
Hinweis: Die Fernsehserie About a Boy (US-Version) mit David Walton und Benjamin Stockham ist ein eigenständiges Werk und wird am Ende separat erwähnt.
Casting zwischen Kalkül und Komfort
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Die Besetzung von About a Boy ist handwerklich solide – aber sie ist auch bequem. Wenn man Hugh Grant für eine Rolle braucht, in der ein charmanter, leicht arroganter Brite sich langsam öffnet, ruft man Hugh Grant an. Das ist keine Kritik an dem Mann – er kann das, und er tut es mit Würde. Aber es ist auch keine mutige Entscheidung. Es ist Typecasting in seiner reinsten Form. Die Produktion hat hier auf Sicherheit gesetzt, und das spürt man in fast jeder Szene.
Das Drehbuch von Chris Weitz und Paul Weitz, das ebenfalls auf Nick Hornbys Roman basiert, gibt den Darstellern durchaus etwas zu arbeiten. Die Frage ist nur, ob sie es auch wirklich tun. Die Antwort ist: meistens ja – aber nicht immer.
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Hugh Grant und Nicholas Hoult – ein ungleiches Duo
Hugh Grant als Will Freeman
Hugh Grant spielt Will Freeman so, wie Hugh Grant Will Freeman eben spielt: mit leichter Herablassung, einem halben Lächeln und dem unverkennbaren Gefühl, dass er genau weiß, wie sympathisch er wirkt. Das ist nicht schlimm. Es ist sogar oft witzig. Aber es ist auch nie überraschend. Grant ist seit den frühen 1990er Jahren das verlässlichste Markenzeichen des britischen Romantiksegments – und hier liefert er wieder ab, was von ihm erwartet wird. Nicht mehr, nicht weniger.
Nicholas Hoult als Marcus
Der eigentliche Schauspieler dieses Films heißt jedoch Nicholas Hoult. Der damals junge Darsteller spielt Marcus mit einer Unbeholfenheit und Wahrhaftigkeit, die man in dieser Form selten bei Kinderdarstellern findet. Marcus ist kein niedlicher Filmkind – er ist ein echter, manchmal nervender, manchmal herzzerreißender Junge. Hoult trägt diesen Film in vielen Momenten auf seinen schmalen Schultern, und das ist bemerkenswert.
Bewertung des Haupt-Casts: 7/10
Die Frauen am Rand des Geschehens
Toni Collette als Fiona
Toni Collette als Fiona, Marcus’ depressive Mutter, ist ohne Frage die intensivste Leistung des Films. Sie spielt eine Frau, die verzweifelt versucht, eine gute Mutter zu sein, aber an ihrer eigenen Psyche scheitert – und das tut sie mit einer Ehrlichkeit, die manchmal fast unangenehm zu beobachten ist. Das ist ein Kompliment. In einem Film, der manchmal zu sehr auf Leichtigkeit setzt, ist Collette der Anker, der alles erdet.
Rachel Weisz als Rachel
Rachel Weisz hingegen bekommt eine Rolle, die man nur als stiefmütterlich behandelt bezeichnen kann. Rachel – die Frau, die Will tatsächlich interessiert – ist im Drehbuch erstaunlich dünn gezeichnet. Weisz macht das Beste daraus, aber man merkt, dass die Figur hauptsächlich als emotionaler Aufhänger für Wills Charakterentwicklung dient.
Minnie Driver als Suzie
Minnie Driver als Suzie ist ebenfalls nicht mehr als ein Baustein der Handlung – sie funktioniert, aber sie wird vergessen, sobald der Abspann läuft.
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Typecasting als Produktionsprinzip
Es wäre unfair, nur die Schauspieler zu kritisieren, ohne die strukturellen Entscheidungen dahinter zu beleuchten. Die Besetzung von About a Boy folgt einem klaren Muster: Man nimmt bewährte Namen, gibt ihnen bewährte Rollen und hofft, dass die Chemie stimmt. In diesem Fall stimmt sie – größtenteils. Aber es ist eine industrielle Formel, kein künstlerisches Wagnis.
Hugh Grant wurde in den 2000er Jahren systematisch als liebenswürdiger Antiheld vermarktet. Toni Collette spielte damals regelmäßig komplexe Mutterfiguren. Nicholas Hoult war der aufgehende Stern des britischen Kinderfilms. Das Casting war also weniger eine kreative Entscheidung als vielmehr eine Marktanalyse.
Die Regie von Chris Weitz und Paul Weitz sorgt dafür, dass diese Zutaten halbwegs harmonisch wirken. Aber ob man das als Kunst bezeichnen möchte, sei dahingestellt.
Wenn das Ensemble mehr ist als die Summe seiner Teile – oder doch nicht?
Insgesamt funktioniert die Chemie zwischen Grant und Hoult gut genug, um den Film zu tragen. Es gibt Momente echter Wärme, echter Komik und echten Dramas. Und dann gibt es Momente, in denen man das Gefühl hat, einer sehr teuren Theaterprobe zuzusehen – alle wissen, was sie tun, aber niemand riskiert etwas.
Die Besetzung von About a Boy ist letztlich eine sichere Wahl. Und sichere Wahlen produzieren sichere Filme. About a Boy ist kein schlechter Film – er ist ein angenehmer, gut gespielter Film, der Nick Hornbys Roman respektiert, ohne ihn vollständig zu verstehen. Das Ensemble liefert ab. Aber die große, unvergessliche Leistung? Die wartet man noch.
Ein kurzer Hinweis auf die Fernsehserie: Die US-amerikanische Fernsehserie About a Boy mit David Walton in der Hauptrolle und Benjamin Stockham als Marcus ist eine eigenständige Adaption, die den Film als Vorlage nutzt. Staffel und Episodenanzahl sind in den Quellen nicht vollständig dokumentiert, weshalb hierzu keine präzisen Angaben gemacht werden.
Gesamtbewertung der Besetzung: 7/10
Was diese Besetzung über die Filmindustrie verrät
Und hier kommen wir zum eigentlichen Problem – nicht mit diesem Film, sondern mit dem System, das ihn produziert hat. Die Casting-Kultur der frühen 2000er Jahre – und leider auch die der heutigen Streaming-Ära – basiert auf einem simplen Prinzip: Erkennbarkeit verkauft. Hugh Grant auf dem Poster bedeutet Tickets. Toni Collette bedeutet Award-Buzz. Rachel Weisz bedeutet Prestige.
Das Ergebnis sind Filme, die gut funktionieren, aber selten atemberaubend sind. Die Streaming-Industrie hat dieses Muster nicht erfunden, aber sie hat es perfektioniert und demokratisiert. Heute gibt es unzählige Produktionen, die auf bekannte Gesichter setzen, weil der Algorithmus bekannte Gesichter belohnt. Die Frage, ob ein unbekanntes Talent die Rolle besser gespielt hätte, wird gar nicht erst gestellt.
About a Boy ist ein Kind dieser Logik. Und das ist schade – denn Nicholas Hoults Leistung zeigt, was möglich ist, wenn man jemandem eine Chance gibt, der sie noch verdienen muss.
Mehr über das Verhältnis von Kino und Streaming erfahren Sie im Artikel über warum immer mehr Kinofilme direkt auf Streamingplattformen erscheinen.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in About a Boy?
Hugh Grant spielt Will Freeman, den selbstgefälligen Londoner Mittdreißiger, um den sich die Geschichte dreht. Der eigentlich stärkere Darsteller ist jedoch Nicholas Hoult als Marcus.
Wer spielt Marcus in About a Boy?
Nicholas Hoult übernimmt die Rolle des jungen Marcus – und liefert eine der überzeugendsten Kinderdarstellungen der frühen 2000er Jahre ab.
Wie gut ist Toni Collette in About a Boy?
Ehrlich gesagt ist sie die Beste im ganzen Cast. Ihre Darstellung der depressiven Fiona ist die einzige Leistung, die echte emotionale Komplexität zeigt.
Lohnt sich About a Boy noch heute?
Wenn man Nick Hornby mag und keine Angst vor solidem, etwas vorhersehbarem britischem Humor hat – ja. Wer bahnbrechendes Kino erwartet, wird enttäuscht.
Was unterscheidet die Serie von About a Boy vom Film?
Die US-Serie mit David Walton und Benjamin Stockham ist eine eigenständige Adaption. Sie hat einen anderen Ton, ein anderes Setting und eine andere Energie als der Film von 2002.
Hätte ein anderer Cast den Film besser gemacht?
Vielleicht. Ein risikofreudigeres Casting hätte zumindest für mehr Überraschungen gesorgt. Aber dann wäre es auch ein anderer Film geworden – und ob der besser oder schlechter geworden wäre, kann niemand sagen.



