Wenn Hollywood und Frankreich gemeinsam einen Science-Fiction-Actionthriller produzieren, darf man gespannt sein. Wenn das Ergebnis dann Babylon A.D. aus dem Jahr 2008 ist, darf man enttäuscht sein. Der Film unter der Regie von Mathieu Kassovitz verspricht mit seiner Besetzung einiges: Muskelpakete, Arthouse-Glamour, internationale Bekanntheit. Was er liefert, ist eine Mischung aus verschwendetem Potential, generischen Actionklischees und einem Cast, der sich offensichtlich selbst nicht sicher ist, in welchem Film er gerade mitspielen soll. Der Originaltitel lautet ebenfalls Babylon A.D., der Film läuft mit einer FSK-Freigabe und einer Laufzeit, die sich trotzdem zu lang anfühlt. Die Besetzung von Babylon A.D. ist auf dem Papier beeindruckend – auf der Leinwand jedoch eine andere Geschichte.
Wer steckt eigentlich hinter diesem Film?
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Vin Diesel | Toorop | Film (2008) | 5/10 | Gewohnt stoisch, null Überraschung |
| Michelle Yeoh | Sister Rebeka | Film (2008) | 7/10 | Unterfordert, aber professionell |
| Mélanie Thierry | Aurora | Film (2008) | 6/10 | Bemüht, aber zu blass |
| Gérard Depardieu | Gorsky | Film (2008) | 5/10 | Cameo-Niveau trotz Namensgewicht |
| Lambert Wilson | Darquandier | Film (2008) | 5/10 | Kaum präsent, kaum relevant |
| Charlotte Rampling | Priesterin | Film (2008) | 6/10 | Würdevoll vergeudet |
| Mark Strong | Finn | Film (2008) | 6/10 | Solide, aber austauschbar |
| Joseph Melito | Mercenaire | Film (2008) | 4/10 | Blasse Nebenrolle ohne Kontur |
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Wenn Namen alles und Substanz nichts ist
Man muss es klar sagen: Die Besetzung von Babylon A.D. liest sich wie ein Who’s Who des internationalen Kinos. Vin Diesel, Michelle Yeoh, Gérard Depardieu, Charlotte Rampling, Mark Strong, Lambert Wilson – das sind keine Unbekannten. Das sind Schauspieler mit Gewicht, mit Geschichte, mit Filmografien, die sich sehen lassen können. Und genau deshalb ist es so bitter, ihnen dabei zuzusehen, wie sie in einem Film verheizt werden, der ihnen nichts Ernsthaftes abverlangt.
Das Casting wirkt wie ein verzweifelter Versuch, fehlende Handlung durch klingende Namen zu kompensieren. Das Drehbuch gibt den Darstellern kaum Raum zur Entfaltung. Regisseur Kassovitz – selbst bekannt als Regisseur von La Haine – hat hier einen Film abgeliefert, der seine eigenen Ambitionen verrät. Das Resultat ist ein Science-Fiction–Action–Thriller, der weder als Science-Fiction überzeugt, noch als Actionfilm begeistert, noch als Thriller fesselt.
Vin Diesel als Toorop – der Autopilot läuft
Vin Diesel
Vin Diesel spielt Toorop, einen abgebrühten Söldner, der in einer dystopischen Zukunft die Aufgabe erhält, eine mysteriöse junge Frau namens Aurora von Russland nach New York zu bringen. Die Rolle ist auf ihn zugeschnitten wie ein alter Handschuh – und das ist das Problem. Diesel knurrt, schwitzt, schlägt und schießt. Er tut das mit der routinierten Gleichgültigkeit eines Mannes, der weiß, dass niemand etwas anderes von ihm erwartet.
Es gibt keine Momente echter Verletzlichkeit, keine echte schauspielerische Herausforderung. Toorop als Figur hat Potential – ein Mercenaire mit fragwürdiger Moral, der langsam eine moralische Entwicklung durchmacht. Diesel nutzt dieses Potential kaum. Er existiert im Film, anstatt ihn zu tragen.
Michelle Yeoh
Michelle Yeoh als Sister Rebeka ist die eigentliche Entdeckung des Films – nicht weil ihre Rolle besonders tief wäre, sondern weil sie das Beste aus dem wenigen macht, das ihr das Drehbuch zugesteht. Sie bringt eine Würde und Präzision in ihre Darstellung, die dem Film guttut. Schade, dass der Film ihr nicht mehr Raum lässt.
Mélanie Thierry
Mélanie Thierry als Aurora kämpft mit einer Figur, die zwischen Mysterium und Passivität changiert. Sie ist bemüht, manchmal glaubwürdig, aber zu selten wird ihr erlaubt, wirklich zu spielen.
Bewertung Hauptdarsteller: 5,5/10
Einen ähnlichen Blick auf einen Science-Fiction-Film aus derselben Ära wirft auch der Artikel über die Besetzung von Invasion (2007).
Das Versprechen der Nebenrollen – und wie es gebrochen wird
Gérard Depardieu
Gérard Depardieu als Gorsky – das klingt vielversprechend. Ein schwerer, charismatischer Bösewicht, von einem der bekanntesten französischen Schauspieler gespielt. In der Praxis: ein paar Szenen, ein paar bedrohliche Blicke, dann ist er weg. Depardieu ist in Babylon A.D. kaum mehr als ein wandelndes Namensschild. Sein Gorsky bleibt eine Skizze, kein Charakter.
Charlotte Rampling
Charlotte Rampling als Priesterin ist ähnlich verschwendet. Sie bringt ihre gewohnte Kälte und Eleganz mit, aber der Film weiß nicht, was er damit anfangen soll. Ihre Szenen wirken wie Fragmente aus einem besseren Film.
Mark Strong
Mark Strong als Finn liefert das ab, was er immer liefert: solide, glaubwürdig, professionell – und vollständig austauschbar.
Lambert Wilson
Lambert Wilson als Darquandier existiert am Rande des Films, ohne je wirklich Eindruck zu hinterlassen.
Joseph Melito
Joseph Melito in der Rolle des Mercenaire ist die blasseste Nebenrolle des gesamten Casts – kaum sichtbar, kaum relevant. Eine echte positive Überraschung gibt es in den Nebenrollen nicht, wenn man von Yeohs solidem Auftritt absieht.
Filmografien, die mehr verdient hätten
Betrachtet man die Filmografien der beteiligten Schauspieler, fällt ein Muster auf, das Unbehagen erzeugt. Vin Diesel hat mit der Fast & Furious-Reihe gezeigt, dass er Publikum begeistern kann – wenn auch nicht durch schauspielerische Tiefe. Michelle Yeoh ist eine der vielseitigsten Schauspielerinnen ihrer Generation, ausgezeichnet und anerkannt. Gérard Depardieu ist eine Legende des europäischen Kinos.
Und alle drei landen in einem Film, der ihre Fähigkeiten nicht nutzt. Das ist kein Zufall, das ist Typecasting in seiner destruktivsten Form. Diesel wird für seine Muskeln gebucht, Yeoh für ihre Kampf-Glaubwürdigkeit, Depardieu für seinen Namen. Niemand wird für das gebucht, was ihn oder sie wirklich besonders macht. Wachstum, Entwicklung, Überraschung – Fehlanzeige.
Charlotte Rampling und Lambert Wilson sind beide Akteure, die in ambitionierten europäischen Produktionen bewiesen haben, was sie können. Hier werden sie dekoriert eingesetzt, als seien sie Möbelstücke mit guten Referenzen.
Mehr über Ensembles aus derselben Filmepoche findet sich im Artikel über die Besetzung von 10.000 B.C..
Ensemble ohne Energie – wenn die Chemie einfach fehlt
Ein Ensemble-Cast steht und fällt mit der Chemie zwischen den Darstellern. Und hier versagt Babylon A.D. am deutlichsten. Vin Diesel und Mélanie Thierry wirken nicht wie zwei Menschen, die eine beschwerliche Reise gemeinsam durchstehen – sie wirken wie zwei Schauspieler, die darauf warten, dass ihre jeweilige Szene endet.
Michelle Yeoh und Diesel haben mehr Onscreen-Energie, aber selbst das bleibt unter den Möglichkeiten. Die Handlung gibt den Figuren zu wenig Zeit, sich zu entfalten, zu verbinden, zu scheitern. Alles ist Tempo, alles ist Oberfläche. Die Realismus-Ansprüche des Films – immerhin ein Science-Fiction-Szenario – werden durch überhastet abgehandelte Szenen untergraben.
Das Gesamtbild ist das eines Films, der nicht an seinen eigenen Cast glaubt. Und wenn der Regisseur nicht an seine Schauspieler glaubt – warum sollte das Publikum es tun?
Das Gesamturteil bleibt: verschwendetes Talent in einem handwerklich mittelmäßigen Film. Weder Jubel noch nachhaltige Begeisterung konnten daran in der Rückschau etwas ändern.
Wenn Budgets größer sind als Ansprüche – eine Reflexion
Babylon A.D. ist ein Symptom eines größeren Problems, das das internationale Action–Science-Fiction-Kino Ende der 2000er Jahre befiel. Große Produktionen, internationale Casts, ambitionierte Prämissen – und dann ein Drehbuch, das keiner der beteiligten Parteien gerecht wird.
Heute, in der Streaming-Ära, hat sich dieses Muster verstärkt. Plattformen wie Netflix oder Amazon buchen bekannte Gesichter, produzieren im Akkord und hoffen, dass der Klang großer Namen die Abonnenten bei der Stange hält. Die Qualitätsmaßstäbe sinken, weil der Output steigt. Babylon A.D. war ein früher Vorbote dieser Entwicklung: Ein Film, der glaubte, mit einer beeindruckenden Besetzung allein überzeugen zu können.
Der Verleih, der Kinostart, die DVD-Verwertung – all das lief nach Plan. Was nicht nach Plan lief, war die kritische Rezeption und das nachhaltige Publikumsinteresse. Selbst die deutsche Synchronisation und die Arbeit der Synchronsprecher konnten nicht retten, was im Kern fehlte: ein Film, der seinen eigenen Cast ernst nimmt.
Kassovitz selbst distanzierte sich öffentlich vom Endergebnis und sprach von Studio-Eingriffen. Das mag stimmen. Es ändert aber nichts daran, dass der vorliegende Film das ist, was das Publikum gesehen hat – und was die Schauspieler auf immer mit ihrem Namen verbunden bleiben lässt.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in Babylon A.D.?
Vin Diesel übernimmt die Hauptrolle als Söldner Toorop. Er ist über weite Strecken des Films präsent, liefert aber eine gewohnt eindimensionale Darbietung ohne nennenswerte schauspielerische Tiefe.
Wer spielt Aurora in Babylon A.D.?
Die Rolle der Aurora wird von der französischen Schauspielerin Mélanie Thierry gespielt. Sie ist bemüht, bleibt aber zu blass, um wirklich im Gedächtnis zu bleiben.
Ist Michelle Yeoh in Babylon A.D. sehenswert?
Michelle Yeoh als Sister Rebeka ist die stärkste Leistung im Film – was allerdings weniger über ihre Performance aussagt als über die Schwäche des restlichen Casts. Sie ist professionell und präzise, aber sträflich unterfordert.
Wer spielt den Bösewicht Gorsky?
Gérard Depardieu übernimmt die Rolle des Gorsky. Trotz seines enormen Namensgewichts bleibt seine Figur eine Skizze – zu wenig Screentime, zu wenig Tiefe.
Lohnt sich Babylon A.D. wegen des Casts?
Ehrliche Antwort: nur bedingt. Die Besetzung von Babylon A.D. klingt besser als sie ist. Wer Vin Diesel im Autopilot-Modus sehen möchte oder Michelle Yeoh in einer unterfordernden Rolle, wird bedient. Wer echte schauspielerische Leistungen erwartet, schaut besser woanders.
Wer hat Babylon A.D. Regie geführt?
Mathieu Kassovitz, bekannt durch La Haine, führte Regie. Er distanzierte sich später öffentlich vom Ergebnis und machte Studio-Eingriffe verantwortlich. Das erklärt vieles, entschuldigt aber wenig.



