Es gibt Filme, die man liebt, obwohl man weiß, dass man sie eigentlich nicht lieben sollte. Wanted aus dem Jahr 2008 ist so ein Fall. Der Actionfilm des kasachisch-russischen Regisseurs Timur Bekmambetov basiert lose auf einer Comicserie und erzählt die Geschichte von Wesley Gibson, einem farblosen Büroangestellten, der plötzlich in eine geheime Assassinengilde hineingezogen wird. Kugeln, die um Ecken fliegen. Autos, die durch Zuglücken rasen. Physik als Feindbild.
Das klingt nach Spaß – und ist es stellenweise auch. Aber wer sich die Besetzung von Wanted genauer anschaut, stellt fest: Hier wurde weniger nach Tiefe gecastet als nach Wiedererkennungswert. Angelina Jolie auf einem Filmplakat verkauft Tickets. Morgan Freeman verkauft Glaubwürdigkeit. Und James McAvoy? Der sollte beweisen, dass er auch ohne Kostümdrama funktioniert. Ob das wirklich aufgegangen ist – darüber lässt sich trefflich streiten.
Die Besetzung von Wanted – viel Durchschnitt, wenig Glanz
Reden wir ehrlich über den Cast von Wanted: Das ist kein Ensemble, das man in zwanzig Jahren noch als Referenz zitieren wird. Es ist ein solide zusammengestelltes Aufgebot an Gesichtern, die für ihre jeweiligen Funktionen bekannt sind – und genau das ist das Problem.
Angelina Jolie ist Angelina Jolie. Morgan Freeman ist Morgan Freeman. Und James McAvoy versucht verzweifelt, sich als jemand anderes zu etablieren, als er eigentlich ist. Das Casting-Konzept lautet offensichtlich: nimm bekannte Namen, platziere sie in kinetische Actionsequenzen, und hoffe, dass die Zuschauer nicht zu viel nachfragen. Bei Universal Pictures und einem Budget dieser Größenordnung ist das eine nachvollziehbare Strategie. Eine künstlerisch mutige ist es nicht.
Es gibt einzelne positive Ausnahmen – aber die muss man suchen. Die Filmbesetzung funktioniert als Maschine, nicht als Ensemble. Jeder Darsteller sitzt in seiner vordefinierten Schublade und bleibt dort. Chemie? Sporadisch. Tiefe? Selten. Unterhaltungswert? Ja, den gibt es – aber der kommt eher aus Bekmambetovs hyperaktiver Inszenierung als aus dem Schauspiel selbst.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| James McAvoy | Wesley Gibson | 6/10 | Bemüht, manchmal überzeugend – aber nie wirklich eine Überraschung |
| Angelina Jolie | Fox | 5/10 | Funktioniert als Ikone, nicht als Schauspielerin |
| Morgan Freeman | Sloan | 6/10 | Charisma rettet eine dünne Rolle |
| Terence Stamp | Pekwarsky | 6/10 | Kurz, präzise, professionell – mehr nicht |
| Thomas Kretschmann | Cross | 5/10 | Solide Bedrohlichkeit, aber generisch |
| Common | Gunsmith | 4/10 | Dekorativ, kaum mehr |
| Kristen Hager | Nebenrolle | 4/10 | Kaum in Erinnerung geblieben |
| Marc Warren | Barry Berkman | 5/10 | Nette Nebenerscheinung, vergessen nach zehn Minuten |
| Konstantin Khabensky | The Exterminator | 5/10 | Immerhin authentisch fremd |
| David O’Hara | Mr. X | 5/10 | Gibt dem Film gelegentlich Leben – dann verschwindet er wieder |
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Die Hauptdarsteller im kritischen Blick
James McAvoy als Wesley Gibson
McAvoy war zu diesem Zeitpunkt frisch aus Atonement und Der letzte König von Schottland – ein Schauspieler mit echtem Potenzial, der sich entschied, in einem Bulletbending-Actionfilm mitzumachen. Das ist ihm nicht vorzuwerfen; Karriere ist Karriere.
Die Rolle des Wesley Gibson ist als Identifikationsfigur für frustrierte Büroangestellte gedacht – der ewige Loser, der zum tödlichen Killer wird. McAvoy spielt das mit ehrlicher Energie. Sein Timing in den frühen, selbstmitleidigen Szenen funktioniert besser als erwartet. Er ist glaubwürdig ängstlich, glaubwürdig verloren. Das Problem beginnt, wenn er zum unbesiegbaren Assassinen mutieren soll. Der Übergang ist zu abrupt, die Transformation zu bequem. Man nimmt ihm den Wandel nicht vollständig ab. McAvoy gibt sein Bestes – aber das Drehbuch lässt ihn im Stich.
Was fehlt, ist eine echte innere Zerrissenheit. Wesley kämpft kurz mit sich selbst und entscheidet sich dann erstaunlich schnell fürs Töten. Mehr Widerstand, mehr Ambivalenz hätte diesen Hauptdarsteller interessanter gemacht.
Bewertung: 6/10
Angelina Jolie als Fox
Jolie spielt Fox – und Fox ist im Grunde Angelina Jolie in Leder. Das ist das Konzept. Das war das Konzept beim Casting. Das war das Konzept am Set. Und das Publikum hat dafür Geld bezahlt.
Es wäre ungerecht zu behaupten, sie sei schlecht. Sie ist professionell, beweglich, präsent. Jede Szene mit ihr hat eine gewisse elektrische Spannung – aber die kommt weniger vom Schauspiel als von ihrer physischen Präsenz und dem Status, den sie in den Kino-Raum mitbringt. Fox als Figur hat kaum Tiefe. Sie ist Katalysator, Verführung, tödliche Kompetenz. Jolie füllt das aus – mehr ist da aber nicht.
Typecasting at its finest. Oder schlimmsten, je nach Perspektive. Die Schauspielerinnen-Qualitäten, die sie in anderen Rollen bewiesen hat, werden hier schlicht nicht abgerufen. Ein Trailer reicht aus, um alles Wesentliche über ihre Figur zu verstehen.
Bewertung: 5/10
Morgan Freeman als Sloan
Ah, Morgan Freeman. Der Mann, der Gottes Stimme spielt, seit mindestens 1994. Sloan ist der mysteriöse Anführer der Assassinengilde – weise, ruhig, undurchdringlich. Freeman spielt das so, wie er alles spielt: mit bemerkenswerter Würde und einem Timbre, das Vertrauen einflößt, egal was er sagt.
Das ist natürlich das Doppelspiel des Films – und Freeman nutzt es geschickt. Er klingt wie ein weiser Mentor, auch wenn er etwas Fragwürdiges sagt. Das ist echter Schauspiel-Handwerk. Allerdings muss man auch festhalten: Freeman macht hier nichts, was er nicht schon hundertmal gemacht hat. Sloan ist eine Variation bekannter Themen aus seiner Filmographie. Angenehm anzuschauen? Ja. Überraschend? Keineswegs.
Bewertung: 6/10
Einen ähnlichen Blick hinter die Kulissen bietet auch der Artikel über die Besetzung von Die Bestimmung – Insurgent.
Nebenrollen – solide Arbeit oder reine Füllmasse?
Wer sich die Nebenrollen in der Besetzungsliste von Wanted anschaut, findet ein bekanntes Muster: Figuren, die primär als Funktionsträger existieren und kaum Gelegenheit bekommen, darüber hinauszuwachsen.
Terence Stamp als Pekwarsky ist die angenehme Ausnahme. Der Brite bringt eine natürliche Autorität mit, die keine großen Worte braucht. In seinen wenigen Szenen hinterlässt er einen Eindruck – das ist mehr als die Hälfte des Ensembles schafft. Sein Auftritt ist kurz, aber er ist der einzige Nebendarsteller, der eine echte Persönlichkeit mitbringt.
Thomas Kretschmann als Cross liefert solides Antagonisten-Handwerk. Er sieht bedrohlich aus, bewegt sich bedrohlich – aber die Rolle ist so untergeschrieben, dass man ihn kaum als vollständigen Menschen wahrnimmt. Eher als Hindernis mit Gesicht.
Common als Gunsmith bleibt nahezu unsichtbar im dramatischen Sinne. Er ist physisch präsent, stilistisch auffällig – aber sein Charakter existiert kaum als Rolle im eigentlichen Sinne. Füllmasse, die gut aussieht.
David O’Hara als Mr. X ist interessanter als man erwarten würde – ein Darsteller, der aus wenig Material gelegentlich etwas macht. Dass er trotzdem sofort wieder vergessen ist, liegt nicht an ihm, sondern am Drehbuch.
Die Synchronsprecher der deutschen Fassung – dokumentiert in der Synchronkartei – leisten gewohnt solide Arbeit, können aber die Schwächen einiger Charaktere naturgemäß nicht ausgleichen.
Filmografie – und immer wieder das Gleiche?
Ein Blick auf die Filmographien der Hauptdarsteller offenbart bekannte Muster.
Angelina Jolie
- Lara Croft
- Mr. & Mrs. Smith
- Wanted
- Salt
Starke Frauen, minimale Verletzlichkeit – vor und nach Wanted. Das Typecasting sitzt tief und scheint niemanden zu stören. Sie hat sich in einem Genre eingerichtet und wurde darin zur Marke. Das ist geschäftlich clever und künstlerisch bequem.
Morgan Freeman
- Sieben
- Die Verurteilten
- Million Dollar Baby
- Wanted
Freeman folgt seiner eigenen Logik: Würde, Weisheit, eventuell Wendung. Überall der gleiche glaubwürdige Mensch, der das Moralische verkörpert – oder es elegant unterläuft. In Wanted spielt er dasselbe. Die Darsteller-Entwicklung hat hier schon vor Jahren stattgefunden.
James McAvoy
- Atonement
- Der letzte König von Schottland
- Wanted
- X-Men
- Split
McAvoy hat nach Wanted einen anderen Weg eingeschlagen. Er scheint der einzige im Hauptcast zu sein, der aktiv an seiner Filmographie arbeitet und nicht nur in ihr verwaltet wird.
Timur Bekmambetov als Regisseur und Produzent bringt seinen typischen Stil mit: überdreht, visuell bombastisch, erzählerisch vereinfacht. Wer Nochnoy Dozor (Night Watch) kennt, weiß, was er bekommt. Einen anderen Regisseur hätte man auch bekommen können – aber wohl keinen, der Kugeln so elegant tanzen lässt.
Wer sich für ähnliche Besetzungsanalysen interessiert, findet auch im Artikel über die Besetzung von Evil Dead einen kritischen Blick auf Casting-Entscheidungen.
Funktioniert die Besetzung wirklich? Eine ehrliche Einschätzung
Die ehrliche Antwort: Ja – aber aus den falschen Gründen.
Die Chemie zwischen McAvoy und Jolie funktioniert auf einer oberflächlichen Spannung. Er ist unsicher, sie ist kühl – das ist ein bewährtes Muster. Es fühlt sich selten organisch an, sondern eher wie eine kalkulierte Paarung. Freeman und McAvoy funktionieren besser, weil Freeman jeden jüngeren Schauspieler gut aussehen lässt.
Das Ensemble ist trotzdem stärker als die Summe seiner Teile – nicht weil die einzelnen Leistungen herausragend sind, sondern weil Bekmambetovs Regie und Schnitt kaum Zeit lassen, Schwächen zu bemerken. Der Film bewegt sich so schnell, dass man keine Gelegenheit hat, über die Glaubwürdigkeit nachzudenken. Das ist eine Strategie, keine Stärke.
Die Filmbesetzung trägt den Film, ohne ihn zu tragen. Das klingt paradox, ist aber präzise: Der Cast verhindert den Absturz, sorgt aber nicht für Höhenflüge. Als Action-Thriller funktioniert Wanted leidlich – als Schauspielkino würde man es nie und nimmer so bezeichnen.
Warum mittelmäßiges Schauspiel heute oft ausreicht
Und hier beginnt die eigentliche Frage – eine, die über Wanted weit hinausgeht.
2008 war Wanted ein Kinoereignis. Heute würde er vermutlich direkt bei einem Streaming-Dienst landen – und dort würde das mittelmäßige Schauspiel noch weniger auffallen. Der Streaming-Kontext hat die Qualitätsanforderungen fundamental verändert. Man schaut nebenher, man springt Szenen vor, man lässt sich berieseln. Tiefe Charakterzeichnung ist da nicht nur unnötig – sie wäre störend.
Bekannte Gesichter wie Angelina Jolie oder Morgan Freeman funktionieren als Garantiesiegel. Sie versprechen ein Mindestniveau – und das lösen sie ein. Aber sie versprechen keine Überraschungen, keine Transformationen, kein Risiko. Das Publikum bucht bekannte Gesichter wie bekannte Hotelketten: Man weiß, was man bekommt. Es ist selten großartig, aber es enttäuscht auch nicht vollständig.
Die Produktion von Wanted war klug in diesem Sinne: Das Drehbuch ist dünn, die Filmmusik von Danny Elfman macht mehr Stimmung als die Schauspieler, die Kamera übernimmt die Erzählung. Der Cast wird zum dekorativen Element in einem visuellen Spektakel. Das ist keine Kritik an den Darstellern allein – es ist eine Kritik am System, das solche Filme produziert.
Wenn Schauspiel zur Markenassoziation wird, verliert man etwas. Vielleicht ist es das, was Filmkritiker wie ich als leise Bitterkeit bezeichnen würden.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Wanted die Hauptrolle?
James McAvoy spielt Wesley Gibson, den Protagonisten des Films. Angelina Jolie und Morgan Freeman sind in den anderen Hauptrollen zu sehen.
Wer spielt Fox in Wanted?
Fox wird von Angelina Jolie gespielt – eine Rolle, die maßgeblich auf ihrer öffentlichen Persona als unnahbare Actionikone aufgebaut ist.
Wer ist der beste Schauspieler im Wanted Cast?
Wer ehrlich antwortet: Terence Stamp macht das Meiste aus dem Wenigsten. Unter den Hauptdarstellern liefert Morgan Freeman das konstanteste Niveau, auch wenn er sich dabei nicht besonders anstrengt.
Hat James McAvoy die Rolle überzeugend gespielt?
Teilweise. Seine frühen, unsicheren Szenen als gescheiterter Büroangestellter funktionieren gut. Die Transformation zum Killer wirkt hingegen zu schnell und zu bequem, um vollständig zu überzeugen.
Lohnt sich Wanted noch im Jahr 2024?
Als Zeitdokument eines bestimmten Actionfilm-Stils: ja. Als ernsthaftes Schauspielkino: nein. Man weiß nach zwanzig Minuten, was man bekommt – und bekommt dann genau das.
Wo findet man die vollständige Besetzungsliste von Wanted?
Die vollständige Besetzungsliste ist auf IMDb, Filmstarts, MoviePilot und der Synchronkartei zu finden. Wikipedia bietet ebenfalls eine solide Übersicht der wichtigsten Darsteller und ihrer Rollen.



