Es gibt Filme, die sich ins kollektive Gedächtnis des Horrorgenres einbrennen – und dann gibt es die Versuche, dieses Erbe zu verwalten. Evil Dead, ursprünglich als Tanz der Teufel 1981 von Sam Raimi mit einem lächerlich kleinen Budget und einer Handvoll ambitionierter Amateure in den Wäldern von Tennessee gedreht, wurde zur Horrorlegende. Was danach kam – das Remake von 2013, Evil Dead Rise 2023 – ist eine andere Geschichte. Eine Geschichte über Franchise-Verwaltung, durchschnittliche Besetzungsentscheidungen und die Frage, ob ein Cast eigentlich noch irgendjemanden hinter dem Ofen hervorlocken kann.
Der Film, in allen seinen Iterationen, handelt von einer Gruppe junger Menschen, die auf einer abgelegenen Hütte das Necronomicon beschwören und damit die Tore zur Hölle öffnen. Dämonische Besessenheit, Gliedmaßen, Blut in Industriemengen. Das Konzept ist simpel. Die Ausführung? Die liegt – zumindest was die Besetzung angeht – irgendwo zwischen “solide Handwerksarbeit” und “haben die eigentlich überhaupt jemanden anderen angefragt?”
Die Besetzung von Evil Dead – viel Durchschnitt, wenig Glanz
Man muss fair sein: Das Original von 1981 war kein Besetzungswunder. Bruce Campbell, damals ein völlig unbekannter Darsteller aus Michigan, wurde zur Ikone – nicht weil er ein großartiger Schauspieler im klassischen Sinne war, sondern weil er eine charismatische Energie mitbrachte, die man nicht kaufen kann. Seine Rolle als Ash Williams ist bis heute die Definition des accidental Helden im Horrorfilm. Das ist allerdings auch schon das Problem: Campbell als Maßstab zu setzen, macht jeden nachfolgenden Cast automatisch zu einem Enttäuschungsprojekt.
Das Remake von 2013 unter der Regie von Fede Alvarez – damals noch ein Newcomer aus Uruguay, produziert von Sam Raimi und Bruce Campbell höchstpersönlich – setzte auf relative Unbekannte. Jane Levy in der Hauptrolle, Shiloh Fernandez als ihr Bruder, Lou Taylor Pucci als der Nerd der Gruppe, Jessica Lucas und Elizabeth Blackmore als Freundinnen. Ein Cast, der aussieht wie eine Besetzungsagentur-Empfehlung für “generische Horrorfilm-Besetzung Seite 1”.
Das ist nicht ganz fair – Levy liefert tatsächlich ab. Aber der Rest? Solide. Manchmal sogar routiniert. Selten unvergesslich.
Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von Black Christmas – einem weiteren Horrorfilm, dessen Cast unter ähnlichen Vorzeichen bewertet werden kann.
Tabelle der Besetzung mit Bewertung
| Schauspieler | Rolle | Bewertung | Kommentar |
|---|---|---|---|
| Bruce Campbell | Ash Williams | 8/10 | Kultfigur – charismatisch, einzigartig, schwer zu ersetzen |
| Jane Levy | Mia Allen | 7/10 | Überzeugend, besonders in der zweiten Hälfte des Films |
| Shiloh Fernandez | David Allen | 5/10 | Sympathisch, aber blass – man vergisst ihn während des Schauens |
| Lou Taylor Pucci | Eric | 6/10 | Hat Momente, aber auch deutliche Schwächen im emotionalen Bereich |
| Jessica Lucas | Olivia | 5/10 | Funktional, kaum mehr – ihre Figur ist reines Füllmaterial |
| Elizabeth Blackmore | Natalie | 4/10 | Austauschbar, wenig Profil, schnell vergessen |
| Ellen Sandweiss | Cheryl Williams (Original) | 6/10 | Solide im Rahmen des Möglichen – das Budget war 1981 auch nicht üppig |
| Hal Delrich (Richard DeManincor) | Scott (Original) | 5/10 | Erfüllt seinen Zweck, nicht mehr |
| Betsy Baker | Linda (Original) | 5/10 | Angemessen creepy, mehr ist aber auch nicht drin |
Die Hauptdarsteller im kritischen Blick
Bruce Campbell als Ash Williams
Man kommt nicht um ihn herum. Bruce Campbell ist Evil Dead, zumindest in der popkulturellen Wahrnehmung. Als Ash Williams in Tanz der Teufel und den Fortsetzungen hat er eine Rolle erschaffen, die weit über seine schauspielerischen Fähigkeiten hinausgewachsen ist – und das ist sowohl ein Kompliment als auch eine Einschränkung. Campbell spielt mit einer physischen Präsenz und einem selbstironischen Unterton, der die Figur trägt. Er weiß, was er ist, und er macht das Beste daraus. Dass Sam Raimi ihm diese Rolle auf den Leib geschrieben hat, sieht man – und auch, dass Campbell ohne Raimi möglicherweise nie diese Ebene erreicht hätte.
In den neueren Produktionen taucht Campbell nur noch in Cameo-Rollen oder als Produzent auf – was ehrlich gesagt die klügere Entscheidung ist. Den alternden Ash durch das moderne Horroruniversum zu schleifen, hätte dem Mythos eher geschadet.
Bewertung: 8/10
Jane Levy als Mia Allen
Hier muss man eingestehen: Jane Levy hat im 2013er Remake echte Arbeit abgeliefert. Als Mia, eine drogenabhängige junge Frau, die von ihrem Bruder in die besagte Waldhütte gebracht wird um clean zu werden – und dann stattdessen besessen wird –, trägt Levy den Film auf eine Art, die man von einer damals 23-Jährigen nicht unbedingt erwartet hätte. Die körperliche Darstellung der Besessenheit ist überzeugend, manchmal sogar unangenehm glaubwürdig.
Trotzdem: In den ruhigeren Momenten, wenn echte Emotionalität gefragt wäre, zeigt Levy ihre Grenzen. Die Chemie mit Shiloh Fernandez, der ihren Bruder spielt, wirkt aufgesetzt. Man glaubt den beiden nicht wirklich, dass sie eine jahrelange komplizierte Geschwisterbeziehung hinter sich haben.
Aber im Kontext dieses Films, in diesem Genre? Levy ist eine der wenigen echten Überraschungen.
Bewertung: 7/10
Shiloh Fernandez als David Allen
Shiloh Fernandez ist das Problem mit modernem Horrorfilm-Casting in einem einzigen Menschen zusammengefasst. Gut aussehend, ausreichend sympathisch, absolut ereignislos. Seine Rolle als Davids besorgter Bruder – der moralische Anker der Geschichte, der am Ende die härtesten Entscheidungen treffen muss – verlangt nach Tiefe. Was Fernandez liefert, ist angenehme Oberfläche. Man wartet die ganze Zeit darauf, dass er aufmacht und etwas Echtes zeigt. Man wartet vergebens.
Das ist kein vernichtendes Urteil – Fernandez ist kein schlechter Schauspieler. Er ist einfach der falsche für diese Rolle.
Bewertung: 5/10
Lou Taylor Pucci als Eric
Eric ist der Typ, der das Buch aufschlägt, obwohl überall “ÖFFNE DIESES BUCH NICHT” draufsteht. Lou Taylor Pucci spielt diesen notorisch unklug handelnden Charakter mit einer Energie, die zwischen “nervöser Intellektueller” und “Opfer das auf seine Abgangsszene wartet” changiert. Es gibt Momente, in denen Pucci tatsächlich etwas herausholt – besonders wenn seine Figur langsam den Glauben an alles verliert. Aber dann fällt er wieder in ein Muster aus übertriebenem Reagieren zurück, das im Horrorfilm leider allzu verbreitet ist.
Pucci hat in anderen Projekten bewiesen, dass er mehr kann. Hier durfte er es nicht zeigen.
Bewertung: 6/10
Jessica Lucas als Olivia
Es gibt Rollen, die existieren, damit andere Rollen besser aussehen. Olivia ist so eine Rolle, und Jessica Lucas spielt sie pflichtbewusst und ohne jede Extravaganz. Ihre Figur hat keine erkennbare innere Welt, keine wirkliche Geschichte, keine Momente, in denen der Zuschauer einen Grund bekommt, sich zu kümmern. Lucas macht daraus das Maximum – aber das Maximum dieser Figur ist leider sehr begrenzt.
Bewertung: 5/10
Einen ähnlichen Blick auf Casting-Entscheidungen im Actiongenre wirft der Artikel über die Besetzung von Kingsman.
Nebenrollen – solide Arbeit oder reine Füllmasse?
Elizabeth Blackmore als Natalie ist das Paradebeispiel einer Besetzungsentscheidung, die offenbar primär nach Verfügbarkeit und Aussehen getroffen wurde. Ihre Figur existiert im Film fast ausschließlich als Mittel zum Zweck – jemand muss sich die Hand abhacken, jemand muss besessen werden, jemand muss kreischen. Blackmore erledigt das gewissenhaft. Unvergesslich ist sie dabei zu keinem Zeitpunkt.
Im Original von 1981 verhält es sich ähnlich: Ellen Sandweiss als Cheryl, Hal Delrich als Scott, Betsy Baker als Linda – alle erfüllen ihre Funktion in einem Film, der damals gar nicht den Anspruch hatte, schauspielerische Schwergewichte zu versammeln. Was das Original rettet, ist die rohe Energie der gesamten Produktion, nicht die individuelle Leistung der Darsteller.
Eine positive Ausnahme im gesamten Franchise-Kontext: Die Nebenbesetzungen in Evil Dead Rise (2023) wirken durchdachter, auch wenn der Film selbst andere Stärken und Schwächen hat. Dass das Franchise inzwischen auf erfahrenere Darsteller setzt, ist eine erkennbare Entwicklung – ob sie reicht, ist eine andere Frage.
Filmografie – und immer wieder das Gleiche?
Wer sich die Karriereverläufe der Evil Dead Schauspieler anschaut, erkennt ein Muster, das so zuverlässig ist wie das Necronomicon selbst.
Bruce Campbell
- Evil Dead (Tanz der Teufel), 1981
- Evil Dead II, Fortsetzungen
- Ash vs. Evil Dead (Serie)
- Zahllose Cameos in Sam-Raimi-Filmen (u. a. Spider-Man)
- B-Horrorproduktionen und Conventions
Er hat dieses Typecasting mit einer Würde angenommen, die bewundernswert ist – aber es bleibt Typecasting. Man fragt sich gelegentlich, was aus Campbell geworden wäre, hätte er nach dem Durchbruch andere Wege eingeschlagen.
Jane Levy
- Evil Dead (Remake), 2013
- Suburgatory
- Don’t Breathe
Levy hat nach dem Remake interessantere Entscheidungen getroffen und damit bewiesen, dass sie mehr ist als ein Horror-Gesicht. Das spricht für sie, nicht für das Remake.
Shiloh Fernandez und Lou Taylor Pucci
- Evil Dead (Remake), 2013
Beide sind nach Evil Dead in die relative Unbekanntheit zurückgekehrt, aus der sie kurz herausgeholt wurden. Das sagt einiges.
Jessica Lucas
- Evil Dead (Remake), 2013
Solides Fernsehschauspiel, gelegentliche Filmrollen, kein wirklicher Karrieredurchbruch nach Evil Dead.
Das Franchise selbst hat gezeigt: Ein Evil Dead Film macht aus niemandem außer Bruce Campbell einen Star.
Funktioniert die Besetzung wirklich? Eine ehrliche Einschätzung
Hier ist die unbequeme Wahrheit: Das 2013er Remake funktioniert trotz seiner Besetzung, nicht wegen ihr. Fede Alvarez hat einen handwerklich soliden Horrorfilm gemacht, der durch praktische Effekte, Atmosphäre und einen konsequenten Stil überzeugt. Jane Levy trägt ihren Teil dazu bei. Der Rest des Casts ist… vorhanden.
Die Chemie zwischen den Figuren ist das Hauptproblem. Man soll glauben, das sind enge Freunde und Geschwister – Menschen mit Geschichte, mit Bindungen, die die dramatische Wucht der späteren Ereignisse tragen. Stattdessen wirken sie wie fünf Menschen, die sich am Set zum ersten Mal begegnet sind. Das ist kein vollständiges Scheitern – im Horrorfilm kann man viel mit Atmosphäre und Pacing kompensieren. Aber es bleibt eine verpasste Möglichkeit.
Das Original hatte dieses Problem auch – aber 1981 mit Sam Raimis roher Energie und Bruce Campbells Präsenz ließ sich das überdecken. 2013 war weniger Naivität, dafür mehr handwerkliches Können im Einsatz. Das Ergebnis ist ein technisch besserer, aber menschlich kälterer Film.
Warum mittelmäßiges Schauspiel heute oft ausreicht
Das ist der Teil, der bitter macht, wenn man ehrlich ist.
In der Streaming-Ära, in der Netflix, Prime Video, Apple TV+ und Konsorten Inhalte produzieren wie am Fließband, hat sich ein neues Qualitätsverständnis etabliert: bekannte Gesichter schlagen gute Leistungen. Ein Schauspieler mit 800.000 Instagram-Followern wird einem ohne digitale Präsenz vorgezogen, unabhängig davon, was er vor der Kamera kann. Das Casting wird zunehmend von Marketing-Überlegungen getrieben, nicht von kreativen.
Evil Dead ist hier kein Ausreißer – es ist ein Spiegelbild. Das Remake von 2013 brauchte Gesichter, die jung, telegenerisch und günstig genug waren, um den Horrormarkt anzusprechen. Das ist gelungen. Ob dabei das Maximum an schauspielerischer Qualität ausgeschöpft wurde? Offensichtlich nicht.
Der moderne Horrorfilm – und das Franchise um Evil Dead ist dafür symptomatisch – hat sich damit abgefunden, dass das Publikum primär für die Schocks, die Effekte und die Nostalgie kommt. Nicht für Schauspielkunst. Das Publikum bekommt, was es bezahlt, und bezahlt für das, was es bekommt. Ein perfekter Kreislauf der Mittelmäßigkeit, elegant verpackt in hochwertige Postproduktion.
Sam Raimi wusste 1981 noch, dass man mit null Geld und echter Leidenschaft etwas Unvergessliches schaffen kann. Das war damals eine Notwendigkeit. Heute ist es eine vergessene Kunst.
Mehr über die Hintergründe, warum solche Produktionen heute oft direkt für Streamingplattformen entstehen, lesen Sie im Artikel Warum immer mehr Kinofilme direkt auf Streamingplattformen erscheinen.
FAQ: Besetzung von Evil Dead
Wer spielt die Hauptrolle im Evil Dead Remake von 2013?
Jane Levy spielt Mia Allen, eine drogenabhängige junge Frau, die in einer abgelegenen Hütte besessen wird. Sie ist das stärkste Element der Besetzung des Remakes.
Wer ist der bekannteste Schauspieler im Evil Dead Franchise?
Ohne Frage Bruce Campbell, der in den Originalfilmen und Fortsetzungen Ash Williams spielt. Er ist das Gesicht des Franchise und eine Kultfigur des Horrorgenres.
Welche Rolle spielte Sam Raimi beim Evil Dead Remake?
Sam Raimi war nicht als Regisseur tätig – das übernahm Fede Alvarez – sondern fungierte zusammen mit Bruce Campbell als Produzent. Ein kluger Schachzug, der dem Projekt Legitimität verlieh.
Hat das Cast des 2013er Remakes überzeugt?
Teilweise. Jane Levy lieferte eine solide bis gute Leistung. Der Rest des Casts – darunter Shiloh Fernandez, Jessica Lucas und Elizabeth Blackmore – blieb weitgehend blass und austauschbar.
Lohnt sich Evil Dead trotz mittelmäßiger Besetzung?
Das Original von 1981 absolut – es ist ein Pflichtstück der Horrorgeschichte. Das Remake von 2013 ist für Genre-Fans sehenswert, primär wegen Handwerk und Atmosphäre, weniger wegen des Casts. Evil Dead Rise (2023) ist eine eigenständige Geschichte mit frischem Personal – ebenfalls solide, mit ähnlichen Einschränkungen.
Warum wurde Bruce Campbell nicht als Hauptdarsteller für das Remake besetzt?
Eine explizite offizielle Begründung ist nicht bekannt, aber der kreative Ansatz des Remakes zielte bewusst auf einen Neustart mit frischen Gesichtern ab. Campbells Cameo am Ende des Films war eine Verbeugung vor dem Original – und ehrlich gesagt die weisere Entscheidung, als ihn in eine Hauptrolle zu zwängen, die nicht für ihn geschrieben war.



