Wenn ein Franchise mit dem Gewicht der Harry-Potter-Reihe im Rücken antritt, trägt es automatisch eine Last mit sich: die Erwartungen von Millionen Fans, die Nostalgie einer ganzen Generation – und das nahezu unmögliche Versprechen, daran anzuknüpfen. Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen, erschienen 2018 und entwickelt von J.K. Rowling persönlich unter der Regie von David Yates, tritt genau in diese Falle. Das Sequel zum ersten Teil schleppt ein Ensemble mit sich, das auf dem Papier beeindruckend klingt – Eddie Redmayne, Jude Law, Johnny Depp, Katherine Waterston, Alison Sudol, Dan Fogler – aber in der Realität des Films oft seltsam leer wirkt. Wer also wirklich spielt hier mit, und wer liefert tatsächlich etwas ab? Ein kritischer Blick auf die Besetzung von Phantastische Tierwesen 2.
Das Ensemble auf einen Blick
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Eddie Redmayne | Newt Scamander | Film (2018) | 6/10 | Charmant, aber zunehmend eindimensional |
| Jude Law | Albus Dumbledore | Film (2018) | 8/10 | Die angenehme Überraschung des Films |
| Johnny Depp | Gellert Grindelwald | Film (2018) | 4/10 | Mehr Kostüm als Charakter |
| Katherine Waterston | Tina Goldstein | Film (2018) | 5/10 | Unterentwickelt und oft am Rande der Handlung |
| Alison Sudol | Queenie Goldstein | Film (2018) | 6/10 | Interessante Wendung, schlecht ausgeführt |
| Dan Fogler | Jacob Kowalski | Film (2018) | 7/10 | Der einzige echte emotionale Anker |
| Ezra Miller | Credence Barebone | Film (2018) | 6/10 | Intensiv, aber in einem narrativen Vakuum |
| Callum Turner | Theseus Scamander | Film (2018) | 5/10 | Solide, aber weitgehend überflüssig |
| Claudia Kim | Nagini | Film (2018) | 5/10 | Verschenkte Figur mit zu wenig Raum |
| Zoë Kravitz | Leta Lestrange | Film (2018) | 7/10 | Das tragische Highlight unter den Nebenrollen |
Wenn Starpower kein Garant für Qualität ist
Man kann J.K. Rowling und Warner Bros. eines nicht vorwerfen: mangelnden Ehrgeiz beim Casting. Die Phantastische Tierwesen 2 Besetzung liest sich wie eine Wunschliste eines jeden Agenten in Hollywood. Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – entsteht das merkwürdige Gefühl, dass niemand wirklich weiß, warum er hier steht.
Das liegt nicht allein an den Darstellern. Das Drehbuch, ebenfalls von J.K. Rowling verfasst, versucht so viele Charaktere, Handlungsstränge und Weltenbau-Elemente unter einen Hut zu bringen, dass kaum einer der Figuren genug Raum bekommt, um zu atmen. Der Film spielt im Jahr 1927, hauptsächlich in Paris – ein wunderschönes Setting, das leider für Plot-Exposition verschwendet wird, anstatt den Darstellern die Möglichkeit zu geben, ihre Rollen wirklich zu leben.
Das Casting-Problem ist strukturell: Es wurden bekannte Gesichter gebucht, ohne dass die Charaktere selbst stark genug geschrieben wären, um diese Gesichter zu rechtfertigen. Im Wizarding World-Universum reicht das Versprechen von Fantasy und Magie allein nicht aus, um ein schwaches Fundament zu übertünchen.
Mehr über die Hintergründe moderner Filmverteilung lesen Sie im Artikel über warum immer mehr Kinofilme direkt auf Streamingplattformen erscheinen.
Redmayne, Law und der Rest – wer liefert wirklich ab?
Eddie Redmayne als Newt Scamander
Eddie Redmayne als Newt Scamander ist das Herz der Phantastische Tierwesen 2 Schauspieler-Liste – und gleichzeitig ihr größtes Problem. Redmayne ist zweifellos ein Handwerker seines Fachs, mit einem Oscar im Rücken. Aber Newt als Figur hat sich zwischen Teil eins und zwei kaum weiterentwickelt. Er ist immer noch derselbe sozial ungeschickte, tierliebebrennende Zauberer – nur diesmal in Paris. Der Charme des ersten Teils funktionierte, weil er neu war. Im Sequel wirkt die gleiche Formel repetitiv, fast mechanisch.
Jude Law als Albus Dumbledore
Jude Law als junger Albus Dumbledore ist hingegen eine echte Freude – und das überrascht, weil die Erwartungen hoch waren und Enttäuschung vorprogrammiert schien. Law bringt Würde, Wärme und eine unterschwellige Melancholie in die Rolle, die der Figur gut steht. Er ist glaubwürdig als jener Zauberer, der eines Tages zum Größten aller werden soll. Hier hat das Casting ausnahmsweise funktioniert.
Johnny Depp als Gellert Grindelwald
Johnny Depp als Gellert Grindelwald ist dagegen die offensichtlichste Schwachstelle. Depp ist ein Darsteller, der in seinen besten Momenten Figuren mit echter Tiefe versehen kann. Aber als Grindelwald verlässt er sich zu sehr auf Äußerlichkeiten – die blasse Haut, die asymmetrischen Augen, die flüsternde Stimme. Das ist Kostüm, kein Charakter. Ein Antagonist, der den Namen verdient, muss mehr als Optik bieten. Die Rolle des charismatischen Fanatikers bleibt erschreckend flach.
Katherine Waterston als Tina Goldstein
Katherine Waterston als Tina Goldstein hat es schwerer als alle anderen: Ihr Charakter wird im zweiten Teil an den Rand gedrängt, taucht auf, verschwindet wieder, taucht auf – ohne echte Entwicklung. Das ist kein Versagen der Schauspielerin, sondern des Drehbuchs. Waterston kann mehr, als sie hier zeigen darf.
Dan Fogler als Jacob Kowalski
Dan Fogler als Jacob Kowalski bleibt das emotionale Zentrum des Films – ein Nicht-Zauberer unter Zauberern, dessen Reaktionen die einzig glaubwürdigen sind. Fogler spielt mit Herz, und das merkt man.
Gesamtbewertung der Hauptrollen: 5,5/10
Zwischen tragischem Potential und vergeudeter Leinwandzeit
Die Nebenrollen des Films sind ein gemischtes Bild. Zoë Kravitz als Leta Lestrange ist das tragische Highlight: Eine Figur mit echter Geschichte, echter Last – und Kravitz spielt das mit einer Zurückhaltung, die beeindruckt. Sie ist einer der wenigen Darsteller, die in einem zu vollen Film wirklich Raum einnehmen.
Ezra Miller als Credence Barebone bringt Intensität mit, die in Szenen funktioniert – aber der Charakter existiert in einem narrativen Vakuum. Die Enthüllung am Ende des Films, die eigentlich die emotionale Kulmination sein soll, wirkt aufgesetzt und unvorbereitet. Miller kann nichts dafür.
Claudia Kim als Nagini ist vielleicht das deutlichste Beispiel für verschenktes Potential. Eine Frau, die sich in eine Schlange verwandeln wird – das ist konzeptuell interessant, fast shakespeareartig. Aber die Rolle wird nie zu mehr als einer Begleitfigur ohne echte Stimme.
Callum Turner als Theseus Scamander, Newts Bruder, ist solide und unauffällig – was in einem Film wie diesem eigentlich schon ein kleines Lob ist. Aber vergessen wird man ihn schnell.
Einen ähnlich kritischen Blick auf ein anderes Ensemble finden Sie im Artikel über die Besetzung von Die Unfassbaren 3.
Typecasting im Wizarding World: Die gleichen Gesichter, die gleichen Muster
Es fällt auf, wenn man die Phantastische Tierwesen 2 Cast-Liste durchgeht, wie viele der beteiligten Schauspieler in Rollen eingesetzt werden, die an frühere Arbeiten erinnern. Redmayne ist wieder der liebenswürdige Außenseiter. Depp ist wieder der exzentrische Antagonist. Fogler ist wieder der sympathische Normalo unter Verrückten.
Die Filmreihe basiert auf dem Harry Potter-Universum, aber sie wagt es kaum, ihre eigenen Darsteller gegen den Strich zu bürsten. Wo ist die Überraschung? Wo ist die unerwartete Besetzung, die eine Figur völlig neu interpretiert? Stattdessen verlässt man sich auf bekannte Qualitäten – und bekommt dafür vorhersehbare Ergebnisse.
Das ist kein neues Phänomen im modernen Blockbuster-Kino. Warner Bros. spielt auf Sicherheit, wählt bewährte Namen, minimiert das Risiko. Aber Kino, das wirklich etwas hinterlässt, entsteht selten aus Sicherheitskalkülen.
Ein Ensemble, das nie wirklich zusammenfindet
Das vielleicht Merkwürdigste an der Phantastische Tierwesen 2 Besetzung ist, dass so viele talentierte Menschen so wenig miteinander zu tun haben. Die Chemie zwischen den Figuren – das, was den ersten Harry Potter-Film trotz aller Mängel funktionieren ließ – fehlt hier weitgehend.
Newt und Tina sind angeblich romantisch verbunden, aber die Szenen, die das belegen sollen, fühlen sich wie Pflichtübungen an. Queenie und Jacob haben mehr emotionale Glaubwürdigkeit – aber auch sie werden auseinandergerissen, bevor die Beziehung wirklich atmen kann. Dumbledore und Grindelwald teilen eine komplexe Geschichte, die mehr angedeutet als gezeigt wird.
David Yates, der erfahrene Regisseur der späten Harry Potter-Teile, scheint mehr damit beschäftigt, Exposition zu verwalten als Emotionen zu erzeugen. Das Ergebnis: ein Film voller interessanter Charaktere und Darsteller, der sich trotzdem seltsam kalt anfühlt. Als würde man durch Glas auf etwas schauen, das eigentlich berühren sollte.
Die deutschen Synchronsprecher leisten ihren Teil, ohne die Schwächen des Originals zu vergrößern – aber auch ohne sie zu heilen.
Die Streaming-Logik und das Casting großer Franchises
Es wäre unfair, die Probleme der Phantastische Tierwesen 2 Darsteller ausschließlich auf die Schauspieler zu schieben. Was hier sichtbar wird, ist ein strukturelles Problem der modernen Unterhaltungsindustrie: Franchises werden auf Stream, DVD und Blu-ray ausgerichtet, nicht auf das einmalige Kinoerlebnis. Die Logik ist einfach – bekannte Namen auf dem Poster bedeuten Klicks, Aufrufe, Abonnements.
Das führt dazu, dass Casting-Entscheidungen mehr von Marketing-Überlegungen geleitet werden als von künstlerischer Vision. Wer passt zur Zielgruppe? Wer hat gerade Buzz? Wer ist weltweit wiedererkennbar? Diese Fragen sind legitim – aber sie sind nicht dieselben Fragen, die ein wirklich guter Film stellen sollte.
Kinostart war 2018, und seitdem ist der Film über verschiedene Streaming-Plattformen zugänglich – was bedeutet, dass er noch Jahre nach seiner Veröffentlichung neue Zuschauer findet. Aber auch ein zweiter oder dritter Blick ändert nichts an der Grunddiagnose: Hier wurde ein teures, sorgfältig zusammengestelltes Ensemble verwaltet, nicht geführt. Der Trailer versprach mehr als der Film halten konnte.
Das Kino verdient mehr als verwaltetes Talent.
Ähnliche Beobachtungen lassen sich auch bei anderen Franchise-Sequels machen – so etwa bei der Besetzung von Die Bestimmung Insurgent.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt in Phantastische Tierwesen 2 die Hauptrolle?
Eddie Redmayne spielt Newt Scamander, den zentralen Protagonisten der Filmreihe. Er wird von Jude Law als Albus Dumbledore und Johnny Depp als Gellert Grindelwald in wichtigen Rollen begleitet.
Wer spielt Grindelwald in Phantastische Tierwesen 2?
Johnny Depp übernimmt die Rolle des Gellert Grindelwald. Seine Darstellung ist optisch eindrucksvoll, aber inhaltlich bleibt der Charakter erschreckend flach – ein Antagonist, der mehr Kostüm als Bedrohung ist.
Wer liefert die beste Leistung im Phantastische Tierwesen 2 Cast?
Aus Kritikersicht überzeugt Jude Law als junger Albus Dumbledore am meisten. Er bringt Würde und emotionale Tiefe in eine Rolle, die leicht zur Karikatur hätte werden können. Zoë Kravitz als Leta Lestrange ist die positive Überraschung unter den Nebenrollen.
Ist die Besetzung von Phantastische Tierwesen 2 wirklich so schwach?
Nicht die Darsteller sind das Problem – das meiste Talent ist vorhanden. Das Problem liegt im Drehbuch und in der Regie: Zu viele Charaktere, zu wenig Raum, zu viel Exposition. Das beste Ensemble der Welt kann einen strukturell schwachen Film nicht retten.
Wer sind die deutschen Synchronsprecher?
Die deutschen Synchronsprecher für Phantastische Tierwesen 2 sind bei der Synchronkartei dokumentiert. Die Synchronsprecher leisten solide Arbeit, ohne die Schwächen des Originals zu verstärken.
Lohnt sich Phantastische Tierwesen 2 trotzdem?
Für eingefleischte Fans der Wizarding World und des Harry Potter-Universums: ja, mit gedämpften Erwartungen. Für alle anderen: Der Film bietet spektakuläre Bilder und gelegentlich funkelnde Momente – aber als Gesamterlebnis bleibt er hinter seinem Potential zurück. FSK und Laufzeit sind für Familienabende geeignet, aber ein Meisterwerk ist es nicht.



