Brennpunkt24 ist werbefinanziert, und alle Inhalte auf der Website sind als Werbung zu betrachten.

Besetzung von The Wild Bunch

Sam Peckinpahs The Wild Bunch aus dem Jahr 1969 gilt bis heute als einer der brutalsten, kompromisslosesten Western, die je in den USA gedreht wurden. Eine Bande alternder Outlaws, Mexiko als Kulisse, Blut und Staub – das klingt nach großem Kino. Und tatsächlich: Der Film hat seinen Platz in der Filmgeschichte verdient. Aber wie steht es um die Besetzung von The Wild Bunch? War das wirklich eine Ansammlung von Ausnahmetalenten – oder eher eine solide Truppe routinierter Männer mittleren Alters, die wussten, wie man finster dreinschaut?

Die ehrliche Antwort liegt irgendwo dazwischen. Der Cast von The Wild Bunch ist handwerklich kompetent, an manchen Stellen sogar beeindruckend – aber wer erwartet, dass jede Szene vor schauspielerischer Tiefe explodiert, wird gelegentlich enttäuscht. Die Schauspieler liefern solide Arbeit. Mehr aber auch nicht immer.

Die Besetzung von The Wild Bunch – viel Durchschnitt, wenig Glanz

Man muss fair sein: Peckinpah war kein Regisseur, der großartige schauspielerische Leistungen aus seinen Darstellern herausgekitzelt hätte – zumindest nicht im klassischen Sinne. Was er wollte, waren Männer, die aussehen, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht, als zu reiten, zu trinken und gelegentlich jemanden zu erschießen. Das Casting war also weniger eine Frage von Vielseitigkeit als von Typus.

William Holden als Pike Bishop, Ernest Borgnine als Dutch Engstrom, Robert Ryan als Deke Thornton – das sind keine unbekannten Gesichter. Das sind Männer, die Hollywood seit Jahren kannte. Und genau das ist das Problem: Man sieht diesen Darstellern an, dass sie ihre Rollen im Schlaf spielen könnten. Was manchmal für Authentizität sorgt – und manchmal schlicht wie Routine wirkt.

Die Castingentscheidungen waren nicht mutig. Sie waren sicher. Peckinpah wollte keine Überraschungen, er wollte Verlässlichkeit. Das merkt man. Der Cast funktioniert als Ensemble, er leuchtet aber selten als Ganzes auf.

Tabelle der Besetzung mit Bewertung

Schauspieler Rolle Bewertung Kommentar
William Holden Pike Bishop 8/10 Überraschend vielschichtig für einen Mann, der hier eigentlich nur müde aussehen muss
Ernest Borgnine Dutch Engstrom 6/10 Solide, aber nicht unvergesslich – Borgnine spielt Borgnine
Robert Ryan Deke Thornton 8/10 Der heimliche Star des Films – unterschätzt, präzise, überzeugend
Edmond O’Brien Sykes 6/10 Angenehm schrullig, aber auch nicht mehr
Warren Oates Lyle Gorch 6/10 Verlässliches Handwerk, keine Überraschungen
Ben Johnson Tector Gorch 5/10 Funktioniert als Typ, nicht als Charakter
Jaime Sánchez Angel 6/10 Der emotionalste der Gruppe – leider auch der flachste im Drehbuch
Emilio Fernández Mapache 7/10 Genüsslich böse – einer der stärksten Momente im Cast
Strother Martin Coffer 5/10 Füllt seinen Platz, vergisst man schnell
L.Q. Jones T.C. 5/10 Typecasting in Reinform

Lesen Sie auch den Artikel über die Besetzung von The Big Lebowski.

Die Hauptdarsteller im kritischen Blick

William Holden als Pike Bishop

Pike Bishop ist der Anführer der Bande – ein alternder Outlaw, der weiß, dass seine Zeit abläuft. Holden spielt das mit einer müden Würde, die dem Spielfilm gut steht. Man glaubt ihm die Last der Jahre. Man glaubt ihm die moralische Ambiguität. Was man ihm manchmal nicht ganz glaubt: die körperliche Präsenz in den Actionszenen. Holden war 1969 schon 51 Jahre alt, und das sieht man.

Dennoch: Holden ist einer der wenigen Hauptdarsteller, der wirklich über das Drehbuch hinausgeht. Er bringt etwas Persönliches in die Rolle – eine Brüchigkeit, die den Film interessanter macht, als er auf dem Papier vielleicht war. Keine Meisterleistung, aber deutlich mehr als erwartet.

Bewertung: 8/10

Ernest Borgnine als Dutch Engstrom

Ehrlich gesagt: Borgnine spielt Dutch Engstrom genau so, wie er jeden anderen treuen Begleiter in jedem anderen Film gespielt hat. Er ist laut, herzlich, loyal – und selten wirklich überraschend. Der Darsteller hat zweifellos Charisma, aber hier wirkt er wie eine gut geölte Maschine, die auf Autopilot läuft.

Dutch ist Pike Bishops engster Vertrauter, und das Drehbuch gibt der Figur nicht allzu viel Tiefe. Borgnine füllt diese Leere mit Lautstärke und Energie – was funktioniert, aber keine schauspielerische Großtat ist.

Bewertung: 6/10

Robert Ryan als Deke Thornton

Und hier passiert etwas Interessantes. Ryan spielt Deke Thornton – den ehemaligen Partner von Pike Bishop, der jetzt gezwungen ist, die Bande zu jagen. Es ist die moralisch komplexeste Rolle im Film, und Ryan macht das Beste daraus.

Seine Präsenz ist ruhig, kontrolliert, fast resigniert. Thornton ist kein Held, kein Schurke – er ist ein Mann in einer unmöglichen Situation. Das spielt Ryan mit einer Zurückhaltung, die im Kontext dieses blutigen Westerns fast elegant wirkt. Der beste Schauspieler im Cast, möglicherweise – und ironischerweise derjenige mit der wenigsten Screentime unter den Hauptfiguren.

Bewertung: 8/10

Edmond O’Brien als Sykes

O’Brien ist als alter, kichernd-seniler Sykes eine Art komisches Relief in einer ansonsten düsteren Kinofassung. Er macht das mit Vergnügen – vielleicht etwas zu viel Vergnügen. Es gibt Momente, wo man sich fragt, ob er leicht zu overacten droht. Insgesamt aber: angenehm, ohne unvergesslich zu sein.

Bewertung: 6/10

Jaime Sánchez als Angel

Angel ist die emotionale Seele der Gruppe – der junge Mexikaner, dem tatsächlich etwas auf dem Spiel steht. Sánchez gibt sein Bestes, aber das Drehbuch lässt ihn oft als moralischen Kompass ohne echte Komplexität stehen. Solide Nebenrolle, die man sich mehr gewünscht hätte.

Bewertung: 6/10

Einen ähnlichen Blick auf eine klassische Filmbesetzung bietet auch der Artikel über die Besetzung von Kingsman.

Nebenrollen – solide Arbeit oder reine Füllmasse?

Die Nebenrollen in The Wild Bunch erfüllen ihren Zweck – mehr aber auch kaum. Warren Oates und Ben Johnson als die Gorch-Brüder sind verlässliche Typen, die man aus Dutzenden anderen Western kennt. Sie sind gefährlich, roh, unzuverlässig – und sie spielen das mit der Routine von Männern, die diesen Job schon zu oft gemacht haben.

Strother Martin und L.Q. Jones als Kopfgeldjäger Coffer und T.C. sind fast schon parodistisch böse – unangenehm, gierig, eklig. Das ist gewollt, und es funktioniert auf einer oberflächlichen Ebene. Aber vergisst man sie schnell? Ja, sehr schnell.

Die positive Überraschung: Emilio Fernández als Dorfgangster Mapache. Er bringt eine echte bedrohliche Energie mit, die sich von der routinierten Professionalität des restlichen Casts abhebt. Fernández spielt mit einer Freude am Bösen, die ansteckend ist.

Filmografie – und immer wieder das Gleiche?

Wer sich die Filmografie der wichtigsten Schauspieler in The Wild Bunch ansieht, wird ein Muster erkennen: Es sind Männer, die ihr ganzes Leben mehr oder weniger dasselbe gemacht haben.

  • William Holden – großartig in Sunset Boulevard, überzeugend in Stalag 17 – spielte gegen Ende der 1960er immer mehr den müden Veteranen. Keine große Entwicklung, aber das passt hier zufällig gut.
  • Ernest Borgnine gewann 1956 einen Oscar für Marty – und spielte danach jahrzehntelang Varianten desselben bärbeißigen, gutmütigen Mannes. Typecasting in Reinform.
  • Robert Ryan ist das interessanteste Beispiel: Ein Schauspieler, der regelmäßig besser war als die Filme, in denen er auftrat. Auch The Wild Bunch bildet da keine Ausnahme.
  • Ben Johnson und Warren Oates sind Western-Gesichter, die man überall wiedersieht – zuverlässig, austauschbar, nie wirklich überraschend.

Mehr über Besetzungen, die ähnliche Fragen aufwerfen, findet sich im Artikel über die Besetzung von Black Christmas.

Funktioniert die Besetzung wirklich? Eine ehrliche Einschätzung

Die Frage ist berechtigt: Trägt die Besetzung von The Wild Bunch den Film – oder trägt der Film seine Besetzung?

Ehrliche Antwort: ein bisschen von beidem. Die Kamera von Lucien Ballard, die explosive Montage, Peckinpahs kompromisslose Regie – das sind die eigentlichen Stars des Films. Der Cast liefert das solide Fundament, auf dem Peckinpah sein blutiges Meisterwerk errichtet.

Die Chemie zwischen Holden und Borgnine funktioniert – nicht wegen außergewöhnlichen Schauspiels, sondern weil diese Männer einfach zusammen aussehen wie eine Bande. Das ist kein kleines Verdienst. Die Glaubwürdigkeit des Ensembles als Gruppe funktioniert besser als die individuellen Leistungen.

Was fehlt, ist echter emotionaler Tiefgang in den meisten Momenten. Das Drehbuch von Peckinpah und Walon Green gibt den Figuren nicht immer die Werkzeuge, um wirklich zu leuchten. Und einige Darsteller greifen gar nicht erst danach.

Warum mittelmäßiges Schauspiel heute oft ausreicht

Hier wird es interessant – und ein bisschen bitter.

1969 war ein Jahr großer Umbrüche im amerikanischen Kino. The Wild Bunch war radikal in seiner Gewalt, in seinem Nihilismus, in seiner Verweigerung des klassischen Western-Heroismus. Aber selbst damals galt: Bekannte Gesichter verkaufen Tickets. Das Casting war nicht mutig – es war kommerziell abgesichert.

Und heute? In der Streaming-Industrie hat sich das noch weiter zugespitzt. Bekannte Gesichter, erkennbare Namen – das reicht. Qualität der Darbietung? Optional. Man braucht nur jemanden, den der Algorithmus kennt.

Das Seltsame ist: The Wild Bunch profitiert rückwirkend von diesem Mechanismus. Der Film wird nicht wegen seiner Schauspieler erinnert – er wird wegen Peckinpahs Vision erinnert. Der Cast war damals Mittel zum Zweck. In der heutigen Streaming-Logik wäre das ganz normal. 1969 war es noch eine Entscheidung.

Die Frage, die bleibt: Wenn selbst ein Klassiker wie The Wild Bunch letztlich von seinem Regisseur und seiner Kamera getragen wird und nicht von seinen Darstellern – was sagt das über den Wert des Schauspiels im Kino generell?

Vielleicht nichts. Vielleicht alles.

Häufig gestellte Fragen

Wer spielt den Hauptcharakter in The Wild Bunch?

William Holden spielt Pike Bishop, den Anführer der Outlaw-Bande. Eine solide, stellenweise wirklich gute Leistung – mehr als man von einem 51-jährigen Mann in einem Actionfilm erwartet hätte.

Wer ist der beste Schauspieler in The Wild Bunch?

Robert Ryan als Deke Thornton. Er macht das meiste aus der moralisch komplexesten Rolle des Films – ruhig, präzise und überzeugend ohne großes Aufsehen.

Gibt es schwache Leistungen in der Besetzung von The Wild Bunch?

Ben Johnson und L.Q. Jones bleiben blass – typisches Westernpersonal ohne besonderen Eindruck. Wer sie nach dem Film benennen soll, muss kurz überlegen.

Lohnt es sich, The Wild Bunch wegen des Casts zu sehen?

Nicht ausschließlich. Den Film sollte man wegen Sam Peckinpahs Regie, der Kameraarbeit und dem Director’s Cut sehen. Der Cast ist Beiwerk – solides, manchmal überzeugendes Beiwerk.

Gibt es eine deutsche Synchronisation von The Wild Bunch?

Ja, der Film verfügt über eine deutsche Synchronisation. Details zu Synchronsprechern sind in der Synchronkartei dokumentiert. Ob die Qualität der deutschen Synchronisation dem Original gerecht wird – das ist eine andere Frage.

Was ist der Unterschied zwischen Kinofassung und Director’s Cut?

Der Director’s Cut ist länger und enthält zusätzliche Szenen, die der Kinofassung fehlten. Für ein vollständiges Bild des Casts empfiehlt sich der Director’s Cut – die zusätzliche Laufzeit gibt einigen Nebenrollen mehr Raum zur Entfaltung.

Mehr Beiträge

Besetzung von Speechless

Es gibt Serien, die klingen auf dem Papier wie ein Experiment, das schief gehen müsste. Eine chaotische britische Mutter, ein Kind mit cerebraler Lähmung, zwei

Besetzung von Der Schwarze Falke

Es gibt Filme, die sich ihren Status als Klassiker redlich verdient haben. Der Schwarze Falke (1956), John Fords episches Western-Meisterwerk, gehört zweifellos dazu. Ethan Edwards,

Senden Sie uns eine Nachricht