Australien, Ende des 19. Jahrhunderts. Ein junger Mann namens Ned Kelly wächst in bitterer Armut auf, umgeben von Gewalt, staatlicher Willkür und dem ständigen Kampf ums Überleben. Aus diesem Rohstoff hätte Regisseur Justin Kurzel einen packenden Biografie-Film formen können – einen echten Western, roh und kompromisslos. Was True History of the Kelly Gang (Originaltitel) stattdessen geworden ist, lässt sich am besten durch seine Besetzung beschreiben: ambitioniert auf dem Papier, durchwachsen auf der Leinwand. Die Schauspieler sind bekannt, die Rollen sind groß – aber ob das Ensemble wirklich zusammenfindet, das ist eine andere Frage. Spoiler: Nur teilweise.
Wer steckt eigentlich hinter dieser Kelly Gang?
Bevor man sich in die Analyse stürzt, lohnt ein nüchterner Blick auf die Besetzung von Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang. Der Cast liest sich auf den ersten Blick beeindruckend. Auf den zweiten Blick stellt man fest: Nicht jeder Name ist hier auch wirklich am richtigen Platz.
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| George MacKay | Ned Kelly (erwachsen) | Film (2019) | 8/10 | Intensiv, körperlich präsent – der stärkste Trumpf des Films |
| Orlando Schwerdt | Ned Kelly (jung) | Film (2019) | 7/10 | Solide Leistung für sein Alter, wirkt aber manchmal überfordert |
| Russell Crowe | Harry Power | Film (2019) | 6/10 | Charmanter Auftritt, aber deutlich zu kurz und zu bequem gespielt |
| Nicholas Hoult | Konstabel Fitzpatrick | Film (2019) | 6/10 | Wirkt seltsam fehlbesetzt – zu glatt für diese raue Welt |
| Essie Davis | Ellen Kelly | Film (2019) | 8/10 | Überzeugend, mutig, eine der wenigen wirklich authentischen Figuren |
| Charlie Hunnam | Sergeant O’Neil | Film (2019) | 5/10 | Präsenz ohne Substanz – typisches Hunnam-Problem |
| Thomasin McKenzie | Mary Hearn | Film (2019) | 7/10 | Kurze Rolle, aber sie macht das Beste daraus |
| Sean Keenan | Joe Byrne | Film (2019) | 6/10 | Bleibt blass, trotz wichtiger Rolle innerhalb der Gang |
| Earl Cave | Dan Kelly | Film (2019) | 6/10 | Kaum Profil, kaum Entwicklung – typische Nebenrolle |
| Louis Hewison | Steve Hart | Film (2019) | 5/10 | Austauschbar, kaum erinnerungswürdig |
Zwischen Mythos und Mittelmäßigkeit – das Casting unter der Lupe
Justin Kurzel, der Regisseur hinter Macbeth (2015), weiß zweifellos, wie man eine rohe, brutale Ästhetik inszeniert. Beim Casting von Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang hat er teils kluge, teils fragwürdige Entscheidungen getroffen. Das Drama rund um die berühmte Kelly Gang ist historisch aufgeladen – und genau das macht es so schwierig, die richtigen Darsteller für die Rollen zu finden.
Die Besetzung wirkt wie eine Mischung aus echtem Talent und strategischem Starpower-Kalkül. Man hat bekannte Gesichter geholt, um internationale Aufmerksamkeit zu generieren. Das Ergebnis ist ein Cast, der gelegentlich brilliert, aber zu oft hinter seinem eigenen Potenzial zurückbleibt.
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George MacKay und Essie Davis: Die zwei tragenden Säulen
George MacKay als Ned Kelly
George MacKay als erwachsener Ned Kelly ist die richtige Entscheidung – da gibt es wenig zu diskutieren. Der Brite, bekannt aus 1917, bringt eine physische Präsenz mit, die dieser Rolle gerecht wird. Er spielt den australischen Outlaw nicht als romantischen Rebell, sondern als gebrochenen, getriebenen Mann. Das ist mutig. Das ist interessant. Das funktioniert.
Essie Davis als Ellen Kelly
Essie Davis als Ellen Kelly, Neds Mutter, ist die eigentliche Entdeckung des Films. Sie spielt eine Frau, die zwischen Liebe, Verzweiflung und moralischem Versagen zerrieben wird – und sie tut das ohne Netz und doppelten Boden. Kein Melodrama, keine billigen Tränen. Nur rohe Wahrhaftigkeit.
Diese beiden halten den Film zusammen, wenn alles andere zu driften droht.
Bewertung Hauptdarsteller: 7,5/10
Russell Crowe und Charlie Hunnam: Bekannte Namen, magere Ergebnisse
Russell Crowe als Harry Power
Hier wird es unangenehm. Russell Crowe spielt Harry Power, einen gealternden Buschräuber, der dem jungen Ned Kelly das Handwerk beibringt. Es ist eine Rolle mit echtem Potenzial – und Crowe nutzt davon etwa die Hälfte. Er ist charmant, er ist präsent, aber er wirkt, als hätte er die Figur nicht wirklich durchdrungen. Zu wenig Spielzeit, zu wenig Vorbereitung – oder beides.
Charlie Hunnam als Sergeant O’Neil
Charlie Hunnam als Sergeant O’Neil ist das klassische Problem des Typecasting. Hunnam ist ein solider Darsteller, wenn er in seiner Komfortzone bleibt – Sons of Anarchy hat das bewiesen. Aber in diesem australischen Biografie-Drama wirkt er wie ein Fremdkörper. Zu amerikanisch, zu glatt, zu vorhersehbar.
Nicholas Hoult als Konstabel Fitzpatrick
Nicholas Hoult als Konstabel Fitzpatrick leidet unter ähnlichen Problemen. Er ist technisch kompetent, aber emotional bleibt er distanziert. In einer Geschichte, die so tief in australischer Geschichte und Identität verwurzelt ist, hätte man mutigere Casting-Entscheidungen treffen können.
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Die Gang selbst – und warum sie kaum als Ensemble funktioniert
Sean Keenan als Joe Byrne, Earl Cave als Dan Kelly und Louis Hewison als Steve Hart – das sind die Mitglieder der Kelly Gang, die man kennen sollte. Sollte. Denn keiner von ihnen bekommt genug Raum, um wirklich eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln.
Das ist das fundamentale Problem dieser Produktion: Man erzählt die wahre Geschichte der Kelly Gang, aber die Gang selbst bleibt seltsam ungreifbar. Thomasin McKenzie als Mary Hearn bringt etwas frischen Wind, aber auch sie ist zu schnell wieder aus dem Bild.
Das Ergebnis ist eine Gruppe von Figuren, die nebeneinander agieren – aber kein echtes Ensemble bilden. Kein gegenseitiges Aufbauen, keine spürbare Chemie, keine gemeinsame Geschichte. Schade.
Ein Film, der mehr auf Stars setzt als auf Substanz
Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang ist symptomatisch für eine bestimmte Art von Produktion: Man nimmt ein faszinierendes historisches Thema aus Australien, besetzt es mit internationalen Namen für den globalen Markt, und hofft, dass die Kombination funktioniert.
Manchmal tut sie es. Meistens nicht vollständig.
Das Drehbuch von Shaun Grant basiert auf dem Roman von Peter Carey – einem der wichtigsten australischen Romane der letzten Jahrzehnte. Die literarische Vorlage ist reich, komplex, sprachlich eigenwillig. Der Film schafft es nur ansatzweise, diese Komplexität auf die Leinwand zu übertragen. Und die Besetzung ist dabei sowohl Teil des Problems als auch der Lösung.
Wenn Streaming-Logik das Casting bestimmt
An dieser Stelle lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und über das größere Bild zu sprechen. Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang ist auf Plattformen wie Amazon Prime Video und Apple TV verfügbar. Das ist keine unwichtige Information. Denn die Streaming-Ökonomie hat die Art und Weise, wie Filme besetzt werden, grundlegend verändert.
Man braucht Gesichter, die auf Thumbnails funktionieren. Man braucht Namen, die in Pressemitteilungen glänzen. Russell Crowe? Klick. Charlie Hunnam? Klick. Nicholas Hoult? Klick. Ob diese Gesichter zur Geschichte passen – das ist eine sekundäre Überlegung.
Das Ergebnis sind Filme wie dieser: handwerklich kompetent, ästhetisch beeindruckend, aber eben auch irgendwie kalt und kalkuliert. Justin Kurzel ist ein talentierter Regisseur, das steht außer Frage. Aber auch er kann sich dem Druck der Produktionslogik nicht vollständig entziehen.
Das Drama um Ned Kelly und die Kelly Gang verdient ehrlichere, mutigere Entscheidungen. Die Besetzung von Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang gibt einem das Gefühl, dass man sich für die sichere Option entschieden hat – immer und immer wieder.
Weitere Einblicke in ähnlich gelagerte Outlaw-Stoffe bietet auch der Artikel über die Besetzung von Desperado.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt Ned Kelly in Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang?
Ned Kelly wird von zwei Darstellern gespielt: Orlando Schwerdt übernimmt die Rolle des jungen Ned, während George MacKay den erwachsenen Ned Kelly verkörpert. MacKay ist die stärkere Wahl – intensiv und glaubwürdig.
Welche Rolle spielt Russell Crowe in dem Film?
Russell Crowe spielt Harry Power, einen erfahrenen Buschräuber, der dem jungen Ned Kelly beibringt, wie man außerhalb des Gesetzes überlebt. Die Rolle ist interessant, aber Crowes Auftritt ist kürzer und weniger tiefgründig als erhofft.
Wer ist der Regisseur von Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang?
Der Film wurde von Justin Kurzel inszeniert, dem australischen Regisseur, der bereits mit Macbeth (2015) und Assassin’s Creed (2016) internationale Bekanntheit erlangt hat.
Wo kann man den Film streamen?
Outlaws – Die wahre Geschichte der Kelly Gang ist unter anderem auf Amazon Prime Video und Apple TV verfügbar, außerdem als DVD und Blu-ray erhältlich.
Ist der Film sehenswert, trotz der Schwächen im Cast?
Ja – aber mit gedämpften Erwartungen. George MacKay und Essie Davis allein rechtfertigen das Anschauen. Wer sich für australische Geschichte, die Kelly Gang und ungewöhnliche Western-Dramen interessiert, wird etwas finden. Wer ein perfekt harmonierendes Ensemble sucht, wird enttäuscht werden.
Was ist das größte Problem der Besetzung?
Die Gang selbst. Sean Keenan, Earl Cave und Louis Hewison als Joe Byrne, Dan Kelly und Steve Hart bleiben zu blass. In einem Film über die Kelly Gang sollte die Gang das Herzstück sein – und das ist sie leider nicht.



