Es gibt Filme, die man kaum vergessen kann – leider manchmal aus den falschen Gründen. The New Mutants ist so ein Fall. Josh Boones lange gereiftes Horror-Superhelden-Experiment aus dem Marvel-X-Men-Universum landete nach jahrelanger Produktionshölle und unzähligen Verschiebungen endlich im Kino – und hinterließ ein Publikum, das sich fragte, wofür die Wartezeit eigentlich gut gewesen war. Der Film dreht sich um eine Gruppe junger Mutanten, die in einer psychiatrischen Einrichtung festgehalten werden und lernen müssen, mit ihren gefährlichen Kräften umzugehen. Klingt interessant? Auf dem Papier schon. Die Besetzung von The New Mutants liest sich zumindest vielversprechend – bekannte Gesichter, aufstrebende Talente, ein paar Namen, die in anderen Projekten bereits gezeigt haben, was sie können. Was daraus wurde? Das ist eine andere Geschichte.
Wer spielt hier eigentlich mit?
Bevor man sich in endlose Debatten über Regie und Drehbuch verliert, lohnt ein nüchterner Blick auf das, was den Film eigentlich tragen soll: den Cast. Hier ist die vollständige Besetzung von The New Mutants im Überblick:
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Maisie Williams | Rahne Sinclair / Wolfsbane | Film (2020) | 6/10 | Solide, aber unter ihren Möglichkeiten |
| Anya Taylor-Joy | Illyana Rasputin / Magik | Film (2020) | 7/10 | Der einzige Lichtblick des Ensembles |
| Charlie Heaton | Sam Guthrie / Cannonball | Film (2020) | 5/10 | Blass und austauschbar |
| Blu Hunt | Danielle Moonstar | Film (2020) | 5/10 | Zu wenig Tiefe für eine Hauptrolle |
| Henry Zaga | Roberto da Costa / Sunspot | Film (2020) | 4/10 | Kaum mehr als Dekoration |
| Alice Braga | Dr. Cecilia Reyes | Film (2020) | 6/10 | Professionell, aber verschwendet |
Zwischen Erwartung und ernüchternder Realität
Wenn man die Besetzung von The New Mutants auf dem Papier sieht, denkt man unwillkürlich: Das könnte funktionieren. Maisie Williams frisch aus Game of Thrones, Anya Taylor-Joy auf dem Weg nach oben, Charlie Heaton aus Stranger Things bekannt – das klingt nach einem Ensemble mit Substanz. Doch Casting allein macht noch keinen guten Film, und hier liegt das fundamentale Problem: Das Drehbuch liefert den Schauspielern schlicht nicht genug Material, um wirklich zu glänzen.
Josh Boone als Regisseur hatte eine Vision – Horror und Superhelden zu vereinen, das X-Men-Universum in dunkleres Territorium zu führen. Die Idee war nicht schlecht. Die Umsetzung war es leider auch nicht wirklich gut. Was bleibt, ist ein Cast, der zwischen zwei Stühlen sitzt: zu wenig Comic-Spektakel für Marvel-Fans, zu wenig echten Horror für Genre-Enthusiasten. Die Schauspieler wirken bisweilen so, als würden auch sie nicht ganz wissen, in welchem Film sie eigentlich spielen.
Die Produktionsgeschichte erklärt einiges: Jahrelange Verzögerungen, Umschnitte, Übernahmen durch Disney nach dem Fox-Merger – man spürt dem Film die turbulente Entstehung an. Das ist keine Entschuldigung, aber ein Kontext.
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Das Ensemble unter der Lupe: Licht und viel Schatten
Anya Taylor-Joy als Illyana Rasputin / Magik
Fangen wir mit dem Offensichtlichsten an: Anya Taylor-Joy als Illyana Rasputin ist der rettende Anker dieses Ensembles. Sie spielt ihre Figur mit einer rohen Energie, die dem Rest des Films fehlt. Ihre Darstellung der Magik – sarkastisch, verletzt, gefährlich – ist die einzige Rolle, die wirklich dreidimensional wirkt. Man glaubt ihr die Zerrissenheit, man spürt die Kälte hinter den Augen. Das ist echtes Schauspielen, und es sticht schmerzhaft deutlich aus dem Gesamtbild heraus. Bewertung: 7/10
Maisie Williams als Rahne Sinclair / Wolfsbane
Maisie Williams als Rahne Sinclair verdient eine differenziertere Betrachtung. Sie ist zweifellos talentiert – das hat sie bewiesen. Hier jedoch kämpft sie mit einer Figur, die emotional wenig Raum bekommt. Ihre Szenen mit Blu Hunt sind die menschlichsten des Films, aber sie bleiben unter dem, was Williams leisten könnte, wenn man sie ließe. Bewertung: 6/10
Charlie Heaton als Sam Guthrie / Cannonball
Charlie Heaton als Sam Guthrie ist das vielleicht symptomatischste Casting-Problem des Films. Er ist ein passabler Schauspieler, aber er bringt hier nichts mit, was seine Figur unvergesslich oder auch nur interessant machen würde. Cannonball ist im Comic eine farbige Persönlichkeit – im Film ist er Tapete. Bewertung: 5/10
Blu Hunt als Danielle Moonstar
Blu Hunt übernimmt technisch gesehen die Hauptrolle – doch praktisch gesehen stiehlt Anya Taylor-Joy ihr regelmäßig die Show. Die Figur bekommt zu wenig Tiefe, um als wirkliche Protagonistin zu tragen. Bewertung: 5/10
Bewertung Hauptensemble: 5,5/10
Randfiguren, die mehr verdient hätten
Alice Braga als Dr. Cecilia Reyes
In der Kategorie der Nebenrollen verdient Alice Braga als Dr. Cecilia Reyes besondere Aufmerksamkeit – aber nicht unbedingt für die richtigen Gründe. Braga ist eine professionelle, kompetente Darstellerin. Sie spielt die moralisch fragwürdige Ärztin mit Überzeugung und gibt der Figur eine kalte Glaubwürdigkeit. Das Problem: Die Rolle ist so schematisch geschrieben, dass selbst eine Braga nicht viel daraus machen kann. Der Charakter erfüllt eine Funktion im Drehbuch und bleibt dabei eine Schablone. Bewertung: 6/10
Henry Zaga als Roberto da Costa / Sunspot
Henry Zaga als Roberto da Costa / Sunspot ist der Darsteller, der am deutlichsten unter einem Drehbuch leidet, das ihm schlicht nichts zu tun gibt. Sunspot ist eine der ikonischsten Figuren in der X-Men-Comic-Geschichte – hier ist er Hintergrunddekoration mit Feuerfähigkeiten. Eine verschwendete Chance, ein verschwendeter Schauspieler. Bewertung: 4/10
Die positive Überraschung, wenn man denn eine suchen möchte, liegt in kleinen Momenten: Wenn das Ensemble gemeinsam agiert und die Chemie zwischen den jüngeren Darstellern kurz aufflackert, sieht man, was dieser Film hätte sein können. Leider sind diese Momente rar.
Einen ähnlichen Blick auf eine Comic-Verfilmung mit verschenktem Ensemble-Potenzial bietet der Artikel über die Besetzung von Watchmen – Die Wächter.
Typecasting und das ewige Schubladendenken in Hollywood
Man könnte an dieser Stelle einen ausführlichen Blick auf die Filmografien der Beteiligten werfen – und dabei auf ein Muster stoßen, das man nur allzu gut kennt. Maisie Williams wurde nach Game of Thrones in eine bestimmte Schublade gesteckt: das zähe, unkonventionelle Mädchen mit Kampfgeist. Rahne Sinclair in The New Mutants passt erschreckend nahtlos in dieses Schema.
Charlie Heaton wiederum hat seit Stranger Things das Etikett des bedrückten, introvertierten Jungen, der eigentlich mehr kann, als man ihm zutraut. Cannonball hätte die Chance sein können, dieses Image zu brechen. Sie wurde nicht genutzt.
Das ist das ewige Problem im Hollywood-Casting, und The New Mutants ist ein Lehrbuchbeispiel dafür: Man bucht Schauspieler für das, was sie bereits bewiesen haben, nicht für das, was sie könnten. Das Ergebnis ist ein Film voller bekannter Gesichter, die genau das tun, was man von ihnen erwartet – und nichts mehr. 20th Century Fox – kurz bevor Disney die Übernahme vollzog – traf hier keine mutigen Entscheidungen. Man wollte auf Nummer sicher gehen und produzierte damit genau das Gegenteil von dem, was ein Horrorfilm braucht: Überraschung.
Wenn das Ganze weniger ist als die Summe seiner Teile
Die Chemie innerhalb des Ensembles von The New Mutants ist vielleicht das frustrierendste Element des gesamten Films. Man hat gelegentlich das Gefühl, dass die Schauspieler sich gegenseitig mögen – oder zumindest professionell respektieren. Anya Taylor-Joy und Maisie Williams haben Szenen miteinander, die aufzeigen, wie viel Energie zwischen zwei guten Darstellerinnen entstehen kann, wenn man sie lässt.
Doch dann kommt wieder das Drehbuch dazwischen. Die Figuren bleiben emotional auf Abstand, die Mutanten-Gruppe findet nie zu einem glaubwürdigen Zusammenhalt. Das ist kein Fehler der Schauspieler – es ist ein strukturelles Problem eines Films, der zwischen verschiedenen Genres und Stimmungen hin und her schwankt, ohne sich je zu committen.
Der Film schafft es nicht, seine Charaktere in der kurzen Laufzeit wirklich zu entwickeln. Wer sind diese Menschen jenseits ihrer Kräfte? Was wollen sie? Wovor haben sie Angst – wirklich Angst, nicht die schmalzige Horror-Variante? Diese Fragen bleiben offen, und keine schauspielerische Leistung kann ein Drehbuch reparieren, das sie gar nicht erst stellt.
Gesamtbewertung Ensemble und Chemie: 5/10
Was der Markt verlangt und was Kunst kostet
Man kann The New Mutants nicht vollständig verstehen, ohne über das System zu sprechen, das ihn produziert hat. Das Marvel-X-Men-Universum war zu diesem Zeitpunkt eine Geldmaschine – eine, die zunehmend auf Autopilot lief. Der kreative Mut, den ein echter Horror-Superheldenfilm gebraucht hätte, stand in direktem Konflikt mit den kommerziellen Interessen eines Franchise, das sein Publikum nicht verprellen wollte.
Das Ergebnis ist ein Film, der für niemanden wirklich gemacht wurde. Superheldenfans bekommen zu wenig Action und zu viel unentschlossenen Horror. Horrorfreunde bekommen zu wenig echten Schrecken und zu viele Comic-Referenzen. Und die Schauspieler? Die bekommen ein Drehbuch, das nie entschieden hat, was es sein will.
Die Streaming-Ära hat diese Tendenz noch verstärkt: bekannte Namen, erkennbare Gesichter, sichere Entscheidungen. Originalität wird belohnt, wenn sie gut geht – und brutal bestraft, wenn sie es nicht tut. In diesem Klima entstehen Produktionen, die lieber mittelmäßig als mutig sind. The New Mutants ist ein Kind dieses Systems: gut gemeint, mittelmäßig ausgeführt, schnell vergessen.
Die Synchronsprecher der deutschen Fassung leisten dabei solide Arbeit – was nichts daran ändert, dass auch die beste Synchronisation einen inhaltlich schwachen Film nicht retten kann. FSK und Genre-Einordnung als Horror-Drama-Thriller klingen ambitionierter, als der Film letztendlich ist.
Wer sich für ähnliche Fälle von verschenktem Casting-Potenzial in Jugend-Sci-Fi-Franchises interessiert, findet einen aufschlussreichen Vergleich im Artikel über die Besetzung von Die Bestimmung – Insurgent.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt die Hauptrolle in The New Mutants?
Die zentrale Figur Danielle Moonstar wird von Blu Hunt gespielt. Technisch gesehen ist sie die Protagonistin – praktisch gesehen stiehlt Anya Taylor-Joy als Illyana Rasputin ihr regelmäßig die Show.
Welcher Schauspieler überzeugt am meisten in The New Mutants?
Ohne jeden Zweifel Anya Taylor-Joy. Ihre Darstellung der Magik ist die einzige Leistung im Film, die wirklich in Erinnerung bleibt. Sie liefert Energie, Tiefe und eine Präsenz, die der Rest des Casts schlicht nicht erreicht.
Wer spielt in The New Mutants die schwächste Rolle?
Henry Zaga als Sunspot kommt mit dem dünnsten Material aus. Seine Figur ist so marginal geschrieben, dass man ihn über weite Strecken des Films schlicht vergisst.
Ist die Besetzung von The New Mutants dem Comic treu?
Oberflächlich ja – die Namen und Kräfte stimmen. Doch die charakterliche Tiefe der Comic-Figuren bleibt weitgehend auf der Strecke. Wer die Originale kennt, wird enttäuscht sein.
Lohnt sich The New Mutants wegen seines Casts?
Wenn man Anya Taylor-Joy mag und bereit ist, für ihre Szenen einen mittelmäßigen Film in Kauf zu nehmen – ja, eventuell. Für alle anderen: Die Erwartungen lieber niedrig halten.
Warum wurde der Film so spät veröffentlicht?
Der Kinostart wurde mehrfach verschoben – unter anderem wegen Nachdreh-Plänen und dem Disney-Fox-Merger. Der Film kam schließlich 2020 in die Kinos, Jahre nach seinem ursprünglich geplanten Starttermin.



