Das Letzte Einhorn ist kein Film, den man einfach vergisst. Der Animationsfilm aus dem Jahr 1982, basierend auf Peter S. Beagles gleichnamigem Roman, ist ein seltsames, melancholisches Werk – zu düster für kleine Kinder, zu naiv für zynische Erwachsene. Regissiert von Arthur Rankin Jr. und Jules Bass, läuft das Einhorn durch eine Fantasy-Welt auf der Suche nach seinen Artgenossen, die angeblich von König Haggard und dem Roten Stier ins Meer getrieben wurden. Soweit, so märchenhaft. Was den Film aber wirklich interessant macht – und das sage ich als jemand, der Animationsfilmen grundsätzlich skeptisch gegenübersteht – ist die Originalbesetzung. Eine Handvoll Hollywood-Größen, die ihre Stimmen einem Zeichentrickfilm liehen. Ob das eine gute Idee war? Jein. Die Besetzung von Das Letzte Einhorn ist das Beste und gleichzeitig das Seltsamste an diesem Film.
Wer steckt eigentlich hinter den Stimmen?
Bevor ich anfange zu lamentieren, hier ein Überblick über die Besetzung – soweit sie aus den verfügbaren Quellen zweifelsfrei belegt ist:
| Schauspieler | Rolle | Episoden / Jahr | Bewertung (1–10) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|
| Mia Farrow | Das Einhorn / Amalthea | Film (1982) | 8/10 | Zerbrechlich und traumwandlerisch – fast zu ätherisch |
| Jeff Bridges | Prinz Lír | Film (1982) | 6/10 | Solide, aber austauschbar – klingt wie jeder andere Prinz |
| Christopher Lee | König Haggard | Film (1982) | 9/10 | Der Mann war für Bösewichte geboren. Punkt. |
| Angela Lansbury | Mommy Fortuna | Film (1982) | 8/10 | Unheimlich gut. Hätte mehr Screentime verdient. |
| Alan Arkin | Magier Schmendrick | Film (1982) | 7/10 | Charmant-tölpelhaft, manchmal zu komödiantisch |
| Tammy Grimes | Das Einhorn (zweite Stimme) | Film (1982) | 7/10 | Oft vergessen, aber präsent und stark |
| Robert Klein | Schmetterling | Film (1982) | 6/10 | Skurrile Szene, skurrile Stimme – passt irgendwie |
| Keenan Wynn | Kapitän Cully | Film (1982) | 6/10 | Solide Nebenrolle, nichts Besonderes |
| Paul Frees | König Haggard (zusätzliche Szenen) | Film (1982) | 6/10 | Kaum auffällig |
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Ein Starensemble, das keiner wirklich bestellt hat
Man muss es offen aussprechen: Die Idee, für einen Animationsfilm derart hochkarätige Schauspieler zu verpflichten, war in den frühen 1980ern alles andere als selbstverständlich. Rankin und Bass haben hier etwas gewagt, das man heute in der stromlinienförmigen Streaming-Industrie kaum noch sieht – echte Charakterköpfe statt marktfähiger Stimmen. Die Originalbesetzung von Das Letzte Einhorn liest sich wie das Programm eines Filmfestivals, nicht wie der Cast eines Kinderfilms. Das ist sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Films. Denn wenn man Namen wie Christopher Lee oder Angela Lansbury auf dem Plakat hat, entstehen Erwartungen – und nicht alle werden erfüllt.
Das Casting selbst ist mutig, das Ergebnis ist ungleichmäßig. Mia Farrow klingt wie ein Geist, Jeff Bridges klingt wie Jeff Bridges. Man fragt sich unwillkürlich, ob der Produktionsprozess manchmal einfach bedeutete: Wer hat gerade Zeit und ist bereit, für einen Zeichentrickfilm ins Studio zu kommen? Das ist keine Unterstellung – das ist Filmgeschichte.
Mia Farrow und die Last der Reinheit
Mia Farrow als Das Einhorn / Amalthea
Sprechen wir über das Einhorn selbst. Mia Farrow liefert als Stimme der Hauptfigur eine Leistung ab, die man entweder liebt oder die einem auf die Nerven geht. Ihre Stimme ist dünn, fast körperlos – was für ein mythisches Wesen wie das Einhorn natürlich Sinn ergibt. Aber es gibt Momente, in denen man sich fragt, ob etwas mehr Substanz nicht geschadet hätte. Das Einhorn ist die emotionale Achse des Films, die Figur, um die sich alles dreht, die Amalthea wird und ihrem Wesen entfremdet. Farrow trägt diese Verwandlung mit einer seltsamen Passivität – als würde die Figur immer leicht neben sich stehen.
Das ist nicht unbedingt falsch. Aber es ist auch nicht aufregend.
Jeff Bridges als Prinz Lír
Jeff Bridges als Prinz Lír ist das größte Problem dieser Besetzung. Nicht weil er schlecht wäre – Bridges ist ein talentierter Schauspieler, das steht außer Frage. Aber er klingt schlicht zu geerdet, zu normal für eine Fantasywelt. Sein Prinz Lír hat keine Magie, keine Naivität, keine romantische Überhöhung. Er klingt wie ein netter Typ von nebenan, der zufällig in einem Animationsfilm gelandet ist.
Bewertung der Hauptrollen: 7/10
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Die Nebenrollen: Wo der Film plötzlich lebendig wird
Alan Arkin als Magier Schmendrick
Hier wird es interessant. Alan Arkin als Magier Schmendrick ist eine der seltenen Figuren im Film, die tatsächlich etwas Eigenständiges mitbringt. Sein tölpelhafter Charme, seine Unsicherheit, sein Witz – das alles klingt echt, nicht performt. Schmendrick ist keine Hauptfigur, aber Arkin macht ihn unvergesslich. Das ist gutes Handwerk.
Angela Lansbury als Mommy Fortuna
Angela Lansbury als Mommy Fortuna ist das, was man sich unter einer echten Charakterleistung vorstellt. Sie ist unheimlich, sie ist witzig, sie ist bedrohlich – alles gleichzeitig. Ihre Szenen gehören zu den stärksten des gesamten Films. Dass sie relativ wenig Screentime bekommt, ist einer der größten Fehler des Drehbuchs. Man möchte mehr von ihr, und der Film gibt einem nicht genug.
Christopher Lee als König Haggard
Christopher Lee als König Haggard ist natürlich eine Idealbesetzung. Lee war schon immer besser als das Material, das ihm vorgelegt wurde – hier ist das nicht anders. Seine Stimme allein erzeugt eine Atmosphäre, die kein Animation-Studio der Welt hätte zeichnen können. Der Mann hatte ein natürliches Talent dafür, bedrohlich zu klingen, ohne eine einzige Geste machen zu müssen.
Schauspieler, die immer dieselbe Rolle spielen
Es ist ein altes Muster in Hollywood – und der Cast von Das Letzte Einhorn ist keine Ausnahme davon. Christopher Lee spielt den Bösewicht. Angela Lansbury spielt die ältere, unheimliche Frau. Jeff Bridges spielt den sympathischen, etwas naiven Jungen. Mia Farrow spielt die verletzliche, ätherische Frau. Das ist Typecasting in Reinform.
Nun könnte man argumentieren, dass das bei einem Animationsfilm keine Rolle spielt – die Figuren sind ohnehin gezeichnet, das Aussehen ist festgelegt, die Stimme ist alles. Aber genau deshalb sollte man bei der Stimmbesetzung besonders sorgfältig vorgehen. Wenn die Stimme die einzige Dimension einer Figur ist, darf sie keine Klischees bedienen. Leider passiert das hier zu oft.
Alan Arkin ist die positive Ausnahme. Er überrascht. Alle anderen liefern – bildlich gesprochen – das, was auf der Verpackung steht.
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Wenn Nostalgie zur Kritiklosigkeit verleitet
Ich weiß, was jetzt kommt. Menschen, die mit Das Letzte Einhorn aufgewachsen sind, werden sagen: “Das ist ein Kultfilm! Die Synchronsprecher sind perfekt! Du verstehst das nicht!” Und da liegt das eigentliche Problem.
Die deutsche Synchronisation hat dem Film eine eigene Dimension gegeben, die von der Originalbesetzung abweicht. Die Synchronsprecher der deutschen Fassung haben teilweise andere Qualitäten eingebracht als die amerikanischen Originale – und das ist keine Selbstverständlichkeit. Deutsche Synchronisation kann einen Film verbessern oder ruinieren. In diesem Fall hält sie sich respektabel, aber auch sie lebt von der Nostalgie mehr als von handwerklicher Exzellenz.
Das eigentliche Problem ist grundsätzlicher: In der heutigen Streaming-Industrie, in der Animationsfilme mit Starpotenzial fast im Wochentakt produziert werden, ist Das Letzte Einhorn ein Relikt aus einer Zeit, in der ein Zeichentrickfilm noch eine Ernsthaftigkeit besaß, die man heute kaum noch findet. Rankin und Bass haben sich getraut, einen philosophisch anspruchsvollen Roman zu verfilmen, ohne ihn zu verniedlichen. Das verdient Respekt. Aber es bedeutet nicht, dass die Besetzung makellos ist.
Die Zeiten, in denen man sich mit einem B-Team begnügen musste, sind lange vorbei – heute werden Animationsfilme mit den bestbezahlten Stimmen der Industrie produziert. Und trotzdem wirkt Das Letzte Einhorn oft ehrlicher, rauer und echter als das, was heute aus den Streamingdiensten gespült wird. Das sagt weniger über den Film aus als über den aktuellen Zustand der Branche.
Häufig gestellte Fragen
Wer spielt das Einhorn in Das Letzte Einhorn?
Die Stimme des Einhorns bzw. der Figur Amalthea wird im Original von Mia Farrow gesprochen. Eine zerbrechliche, fast körperlose Stimme – die zum Charakter passt, aber manchmal zu wenig Präsenz hat.
Wer spricht König Haggard im Original?
Christopher Lee – und das ist einer der wenigen wirklich perfekten Casting-Entscheidungen des Films. Lee war für diese Rolle wie geschaffen.
Ist die deutsche Synchronisation gut?
Sie ist solide und hat über die Jahrzehnte eine eigene Nostalgie entwickelt. Ob sie besser oder schlechter als das Original ist, hängt davon ab, womit man aufgewachsen ist.
Wer hat Regie geführt?
Arthur Rankin Jr. und Jules Bass haben den Film inszeniert. Das Studio hinter dem Animationsfilm war Rankin/Bass Productions.
Lohnt sich der Film noch heute?
Ja – aber nicht wegen der Besetzung allein. Es ist die Kombination aus Peter S. Beagles Vorlage, der seltsamen Atmosphäre und einzelnen wirklich starken Stimm-Leistungen, die den Film trägt. Wer reine Unterhaltung erwartet, wird enttäuscht sein. Wer Tiefe sucht, findet sie.
Wer ist die schwächste Besetzungswahl im Film?
Jeff Bridges als Prinz Lír. Nicht weil er talentlos wäre – sondern weil seine Stimme der Figur keine magische Qualität verleiht. Prinz Lír klingt zu normal für einen Animationsfilm, der alles andere als normal ist.



